Postanschrift

Ballspielverein Borussia 09 e.V. Dortmund
Handballabteilung
Strobelallee 50
44139 Dortmund

Vorstand

Abteilungsleiter:

Andreas Heiermann

1. Stellvertreter:

Jochen Busch

2. Stellvertreter:

Walter Maahs

Kassenwartin:

Maria Pfefferkuch

Neben dem Fußball sind die Handballabteilung und Tischtennisabteilung zwei weitere Sportarten, in denen Borussia Dortmund in den höchsten Ligen vertreten ist. Die Handballabteilung wurde 1924 ins Leben gerufen. In den ersten Jahren waren es zunächst die Herren, die auf regionaler Ebene erfolgreich waren. Schon sieben Jahre später, nämlich 1931, wurde der Aufstieg in die höchste Spielklasse erreicht. Seit 1926 existiert aber auch Frauenhandball bei Borussia Dortmund. Bis heute hat die Handballabteilung neben dem Fußball die größten Erfolge vorzuweisen, u.a. 1997 DHB-Pokalsieger, 1997 Finalist EHF-Pokal, 1999 Deutscher Vizemeister, 2003 Challenge-Cup-Sieger.

1926 -2016: 90 Jahre Frauenhandball beim BVB

Die Geschichte der Entstehung im Frühjahr 1926: „BVB-Suffragetten“ erkämpfen Damen-Abteilung

Mit der Teilnahme am „FINAL 4“ in Leipzig zur Ermittlung der DHB-Pokalsiegerinnen 2016 machten die BVB-Handballerinnen ihrer Damenabteilung selbst das schönste Geschenk zu einem „runden“ Geburtstag, der nicht vergessen werden sollte. Denn genau vor 90 Jahren, Ende Mai 1926, erkämpften couragierte „Vereins-Suffragetten“ die Einrichtung einer selbstständigen Abteilung für Mädchen und Frauen bei Borussia Dortmund.

Schauen wir einmal zurück:

Der „BVB-Frühling“ von 1926 hatte es in sich. Er setzte sowohl fußballerische als auch vereins- und sozialpolitische Akzente. Im Blickpunkt des Interesses stand natürlich der sich abzeichnende Aufstieg der Fußballer in die Ruhrbezirksklasse, die damals höchste deutsche Spielklasse. Aber auch die kämpferisch vorgetragene Forderung zahlreicher junger Damen, sich sportlich betätigen zu wollen, sorgte vereinsintern für Furore.

Borussia hatte 1923 mit Heinrich Schwaben einen neuen Präsidenten bekommen, mit dem spürbar ein frischer Wind Einzug hielt. Neben dem Ausbau der „Weißen Wiese“ zum „Borussia-Sportplatz“ als Grundlage für den Aufstieg der Fußballer legte Schwaben sein Augenmerk auf zwei neue Sportabteilungen, die er 1924 in den Club integrierte: Handball und Boxen, beides natürlich nur für gestandene „Mannsbilder“.

Schwaben war dann aber auch der entscheidende “Schalthebel” für die Ehefrauen und Freundinnen von BVB-Akteuren, den “BVB-Suffragetten” eben, die höflich aber entschieden ihren Wunsch nach eigenem Wettkampfsport vortrugen. Ihr Wort hatte Gewicht im Club. Immerhin waren sie es, die die überaus beliebten Vereinsfeiern planten und organisierten. Die Meinung der “Herren der Schöpfung”, die holde Weiblichkeit gehöre an den heimischen Herd und keinesfalls auf den Sportplatz, konterte man kühl mit dem Hinweis, dass eine ablehnende Entscheidung erhebliche negative Auswirkungen auf die Qualität der BVB-Feten haben würde.

Das saß und machte gefügig. Im Frühling 1926 war es dann soweit:  Borussia bekam eine Damenabteilung, in der Leichtathletik und Handball betrieben werden konnten. Und siehe da: Die Sporttreibenden jungen Frauen legten viel Ehrgeiz und Ausdauer an den Tag und bissen sich durch. Immerhin waren die BVB-Amazonen zu ihrer Zeit mit wenigen Gleichgesinnten in anderen Clubs Wegbereiterinnen des Damensports in unserer Stadt und sich deshalb der Verantwortung ihren Geschlechtsgenossinnen gegenüber auf dem Weg zu sportlicher Emanzipation durchaus bewusst.

Über die Einrichtung der BVB-Damen-Abteilung  hieß es 1926 im BVB-Vereinsheft für die Monate Juli-August noch recht despektierlich: „Die jüngste Abteilung unseres Vereins ist die Damenabteilung. Sie besteht sieben Wochen und zählt bereits 31 Mitglieder. Wider Erwarten sind die Damen mit großem Eifer und guter Beteiligung beim Training vertreten. So bleibt nur zu wünschen übrig, dass auch alle, die Sport betreiben wollen, wahre Sportsauffassung haben. Wer nicht von dem Willen beseelt ist, den Sport des Sportes und der Körperkultur wegen zu betreiben, wird auch nicht in der Damen-Abteilung zum Ziele kommen. Hoffen wir also, dass wirkliche Sportbegeisterung und nicht die Sucht, die neue Mode „Sport“ mit zu machen, das Leitmotiv unserer Damen-Abteilung sein und bleiben möge.“

Die Handballerinnen machten sich rasch einen guten Namen. Unter dem beliebten Vater, Förderer und Trainer der Damenmannschaft, Karl Hagedorn, spielten damals u. a. Hilde Trott, Luise Sümerns, Elisabeth Hagedorn, Hetty Wolfewitz, Adelheid Grischka, Hanna Bäk und Hetty Trautmann.

Nach getaner sportlicher Arbeit ging es im Vereinslokal „Zum Wildschütz“ so manches Mal ausgesprochen fröhlich zu. Da lernte auch Emil Stachorra, der Mittelläufer der 1. Fußball-Mannschaft, das Tanzen. Toni Weller, die spätere Ehefrau des bekannten Leichtathleten, Handballers und Widerstandskämpfers Fritz Weller, brachte es ihm gekonnt bei.

Karl Hagedorn, der “Vater” der BVB-Handballerinnen

Karl Hagedorn, eben aus der Schule entlassen, trat dem BVB 1912 bei, dem auch schon sein Bruder Otto angehörte. Hagedorn war ein ausgesprochen vielseitiger Sportler und gleichermaßen im Fußball, in der Leichtathletik und im Handball erfolgreich. Nach dem 1. Weltkrieg brillierte Hagedorn als Fußballer auf verschiedenen Positionen in der 1. Mannschaft. Ganz groß kam er Mitte der 1920er Jahre heraus, als er gemeinsam mit Bruder Otto ein Verteidigerpaar bildete, das in der Region, ja, sogar in ganz Westdeutschland, einmalig war.

In diesem Zusammenhang kann es nicht verwundern, dass er auch zu den Spielern gehörte, die 1926 den Aufstieg in die Ruhrbezirksklasse und damit in die damals höchste deutsche Spielklasse schafften. Eine schwere Knieverletzung, die sich Hagedorn im Spiel gegen den Sportverein 08 zugezogen hatte, beendete 1927 seine sportlich-aktive Zeit.

Karl Hagedorn blieb dem BVB jedoch auch weiter verbunden. Viele Jahre wirkte er im Hauptvorstand mit und betreute gleichzeitig die Handballer und die Damen-Abteilung, in deren Reihen auch seine Frau lange Zeit erfolgreich aktiv war. Hagedorn avancierte damit zu einem der wichtigsten Pioniere des BVB-Damenhandballs, ohne den in der neuen Abteilung so gut wie nichts lief.

Karl Hagedorn war ein Mann, den man nicht zwei Mal fragen musste. Er packte an, wo er gebraucht wurde. Selbst bei den BVB-Feiern war er geradezu unverzichtbar, da er mit  Sketchen und Gesangsdarbietungen viel zur Unterhaltung beitrug. 

Im Gegensatz zu seinem Bruder Otto, der in den letzten Tagen des 2. Weltkriegs tragisch ums Leben kam, überlebte Karl Hagedorn die Wirren des Nazi-Regimes und diente dem BVB im Abteilungsvorstand der Handballer und später im Ältestenrat bis in die 1960er Jahre hinein.