Der Abstiegskampf bleibt in der 3. Liga West weiter offen: Mit einem Sieg hätte die Zweitvertretung von Borussia Dortmund den Klassenerhalt unter Dach und Fach bringen können, doch die Mannschaft von Rene Baude musste sich beim TSV Bayer Leverkusen II mit 21:30 (8:17) geschlagen geben. Herausragend waren auf Leverkusener Seite vor allem Vanessa Fehr sowie die sechsfache Torschützin Kim Braun, beim Borussia Dortmund wusste Annika Ingenpass, die fünfmal traf, zu gefallen.

Den rund 100 Zuschauern in der Sporthalle an der Kalkstraße wurden am Dienstagabend in der Drittligapartie zwischen dem TSV Bayer Leverkusen II und Borussia Dortmund II zahlreiche Spielerinnen, die man inzwischen aus der Handball-Bundesliga der Frauen kennt, geboten. Während die Schwarz-Gelben aus Dortmund wie zuletzt auf Annamaria Ferenczi, Annika Ingenpaß und Alina Grijseels sowie Kjersti Saalberg zurückgreifen konnten, kamen auf Seiten der Gastgeberinnen sechs Spielerinnen (Pia Adams, Anna Seidel, Natalie Adeberg, Ramona Ruthenbeck, Jennifer Rode und Johanna Heldmann) der 1. Mannschaft zum Einsatz.

Beide Teams begannen nervös und mit einigen Fehlern. Doch Leverkusen fing sich schnell und konnte durch zwei Treffer von Jennifer Rode eine schnelle 2:0-Führung herausspielen. Die Gäste aus Dortmund hatten gegen die stabile Deckung der Gastgeberinnen große Probleme. Kam die Mannschaft von Rene Baude mal zum Zuge, scheiterten sie an der glänzend aufgelegten Vanessa Fehr im Leverkusener Gehäuse. Die nächsten Minuten sollten der Belgierin Kim Braun gehören, sie drehte auf. Zuerst verwandelte sie einen Tempogegenstoß, den Pia Adams in eigener Hälfte eingeleitet hatte, zum 3:0, wenig später markierte sie das 4:0 für die Gastgeber.

Nach exakt 6 Minuten und 50 Sekunden kamen die Gäste durch einen von Annika Ingenpass verwandelten Siebenmeter zum ersten Torerfolg. Doch die Mannschaft von Kerstin Reckenthäler zog bis auf 10:2 (12. Minute) davon, ließ den Schwarz-Gelben keine Chance. Erst jetzt gelang den Dortmunderinnen durch Maren Rynas der erste Feldtreffer zum 3:10-Anschlusstreffer. Bis zur Halbzeitpause konnten die Gastgeberinnen sich einen 17:8-Vorsprung herausgespielt.

Auch im zweiten Durchgang dominierten die Leverkusenerinnen das Spiel nach Belieben. Dortmund fand gegen die kompakte Deckung keine Lösung. Der BVB vergab auch im zweiten Durchgang zahlreiche Chancen, zudem wurden auch insgesamt fünf Siebenmeter über die gesamte Spielzeit nicht verwandelt. Kerstin Reckenthäler gab allen ihren Spielerinnen Spielanteile, so konnte sich auch Amelie Knippert in der 51. Minute in die Torschützenliste eintragen. Die Spielerin mit der Nummer 17 traf zum zwischenzeitlichen 26:18. Am Ende gab es einen deutlichen und hochverdienten 30:21-Erfolg für den TSV Bayer Leverkusen II.

Kerstin Reckenthäler war froh, wieder ein Spiel in der 3. Liga West gewonnen zu haben, nachdem ihre Mannschaft zuvor nur einen Sieg aus den letzten fünf Spielen einfahren konnte. „Wir haben in der Rückrunde 5:11 Zähler geholt, da bin ich natürlich in erster Linie froh, dass wir heute endlich mal wieder einen Sieg einfahren konnten. Zuletzt haben wir gegen zwei Abstiegskandidaten verloren, auch wenn wir das Final Four um die weibliche A-Jugend-Meisterschaft erreicht haben, darf uns so etwas nicht passieren. Die 3. Liga ist für uns enorm wichtig“, sagte die ehemalige Bundesligaspielerin. Den Einsatz der Bundesligaspielerinnen begründete Reckenthäler mit der Chance, unter der Woche einigen U23-Spielerinnen aus der 1. Mannschaft, die zuletzt weniger Spielanteile bekommen haben, Spielpraxis zu geben. Ramona Ruthenbeck avancierte zur besten Werferin ihrer Mannschaft mit sieben Treffern, wovon fünf vom Siebenmeterpunkt erzielt wurden.

Rene Baude war nach dem Spiel bedient. „Eigentlich dürfen wir ja nichts meckern, was den Einsatz von Spielerinnen aus der 1. Mannschaft angeht. Aber was heute passiert ist, finde ich schade, vor allem, wenn man bedenkt, dass Leverkusen zuletzt gegen die beiden Abstiegskonkurrenten Solingen und Recklinghausen verloren hat. Was diese Demonstration sollte, kann ich nicht nachvollziehen. Wir haben auch junge Spieler in Dortmund, die ihre Erfahrungen in der 3. Liga sammeln wollen. Aber unterm Strich ist das Ganze natürlich legitim, hat aber einen faden Beigeschmack“, sagte Dortmunds scheidender Coach.

Durch den Sieg bleiben die Leverkusenerinnen weiter Tabellenfünfter mit 24:16 Punkten. Dortmund weist als Tabellenneunter 14:26 Zähler auf. Zwei Spieltage vor dem Saisonende hat die Mannschaft von Rene Baude zwei bzw drei Zähler Vorsprung auf die derzeit auf einem Abstiegsplatz befindlichen Teams vom HSV Solingen-Gräfrath und PSV Recklinghausen. Die Entscheidung im Abstiegskampf ist somit weiter offen.

Markus Hausdorf