Ob sie damit gerechnet haben, als es vor zwei Wochen nach Slowakei zur U17-Europameisterschaft ging? Wohl eher nicht und es wird wohl noch eine Weile dauern, bis sie es wirklich realisiert haben, aber es stimmt: Der weibliche U17-Nachwuchs des DHB ist Europameister. Mittendrin waren mit Lena Hausherr, Mariel Wulf, Carlotta Fege, Dana Bleckmann, Malina Marie Michalczik und Leonie Kockel auch sechs Spielerinnen vom BVB. Und mit Zuzana Porvaznikova (Co-Trainerin Bundesliga) hatte auch der Trainerstab bei der EM einen schwarzgelben Einschlag. "Wir sind wahnsinnig stolz auf unsere Mädels und Zuzana. Unser Respekt und unsere Anerkennung gilt aber auch unseren Trainern, hier möchte mich insbesondere bei Henning Schierbaum und Tobias Fenske bedanken", freut sich auch Abteilungsleiter Andreas Heiermann über den Erfolg.

Lena Hausherr schaffte es sogar ins All-Star-Team des Turniers, das für die Deutschen mit einem 19:15 gegen ein starkes Russland begann. Ein Sieg, der noch wichtig werden würde, denn nach zwei weiteren Siegen gegen die Niederlande (31:26) und Österreich (28:10) ging das Team von Chef-Bundestrainer Nachwuchs weiblich Maik Nowak und Co-Trainerin Porvaznikova mit einer weißen Weste in die folgende Hauptrunde, in die auch Russland einzog. Dementsprechend hatten die DHB-Spielerinnen schon zwei Punkte auf der Habenseite.

In der Hauptrunde wartete mit den ebenfalls ungeschlagenen Ungarinnen ein ganz dicker Brocken. In einem hochklassigen Spiel teilten sich die beiden Teams beim 25:25 die Punkte. Folglich war klar: Ein Sieg im abschließenden Spiel gegen Dänemark würde den Deutschen den ersten Halbfinaleinzug seit 2001 bescheren. Gesagt, getan: Nach nervösem Beginn setzten sich die Juniorinnen aus der Bundesrepublik mit 20:18 durch. Einziger kleiner Wermutstropfen: Aufgrund des besseren Torverhältnisses belegten die Ungarinnen Platz eins in der Gruppe und spielten gegen das schlechter platzierte Team der Parallelgruppe. Die DHB-Auswahl bekam es mit Frankreich zu tun. Fast schon beeindruckend souverän wurde die Mannschaft aus dem Nachbarland mit 27:21 ausgeschaltet und es war klar, dass Nowaks und Porvaznikovas Team die vierte EM-Medaille nach 1992, 1999 und 2001 (damals mit einer gewissen Clara Woltering im Tor) holen würde. Dass diese nun sogar golden glänzt, verdankt die deutsche Mannschaft einem 23:18 im Finale gegen Norwegen. Dabei sah es zum Seitenwechsel bei einem 9:12-Rückstand nicht unbedingt nach der rauschenden Siegesparty aus, den die frisch gebackenen Europameisterinnen nach dem Abpfiff starteten. Doch wer im Finale in 25 Minuten nach Wiederanpfiff nur drei Gegentore kassiert und das gesamte Turnier ungeschlagen übersteht, kann dann völlig verdient feiern.

Generell war die über das gesamte Turnier bärenstarke deutsche Abwehr der Schlüssel zum Erfolg. Für die Dortmunder Europameisterinnen geht es in dieser Woche wieder ins Training mit dem BVB - sie kommen mit einer gehörigen Portion Rückenwind.