Die Handballabteilung von Borussia Dortmund wurde 1924 ins Leben gerufen. In den ersten Jahren waren es zunächst die Herren, die auf regionaler Ebene erfolgreich waren. Schon sieben Jahre später, nämlich 1931, wurde der Aufstieg in die höchste Spielklasse erreicht. Seit 1926 existiert aber auch Frauenhandball bei Borussia Dortmund. Bis heute hat die Handballabteilung neben dem Fußball die größten Erfolge vorzuweisen, unter anderem DHB-Pokalsieger 1997, Finalist im EHF-Pokal 1997, Deutscher Vizemeister 1999, Challenge-Cup-Sieger 2003, Deutscher Meister 2021 und die Teilnahme an der Champions League in der vergangenen und der aktuellen Spielzeit. Hier findet Ihr die komplette Geschichte des schwarzgelben Handballs - inklusive schwarzgelber Handballgeschichten.

Der Anfang der Handballabteilung

1924:  Mit den Handball-Herren ging`s los!

Man schrieb das Jahr 1924. 

Dortmund hatte mittlerweile etwa 300.000 Einwohner, und Dr. Ernst Eickhoff war Oberbürgermeister. Bei den Kommunalwahlen errangen die Kommunisten als stärkste Partei 29,4 % der Stimmen. Die Sparkasse bezog ihre neuen Räume in der Hansastraße – heute befindet sich dort das Museum für Kunst und Kulturgeschichte. Im Verlaufe des Jahres verließen die französischen Besatzungstruppen die Stadt, die Ruhrbesetzung war Geschichte. 

Am Borsigplatz beging der BVB sein 15jähriges Bestehen. Die Fußballer kickten als Zweitligisten in der 1. Kreisliga Dortmund – Herne des Märkischen Kreises. Vor knapp zwölf Monaten hatte es einen Wechsel an der Club-Spitze gegeben: Franz Jacobi, der legendäre Vorsitzende  von 1910 bis 1923 und spätere erste Ehrenpräsident, hatte sein Amt in die Hände von Heinrich Schwaben gelegt, seinem langjährigen engsten Vertrauten und Mitarbeiter. Gemeinsam hatten sie 1919 den Gang zum Amtsgericht mit der Eintragung als “e.V.” vorbereitet, gemeinsam die erste Satzung einschließlich der (teilweise kuriosen) Spielordnung entworfen. 

Schwaben war tatkräftig und  kraftvoll zupackend, gleichzeitig aber auch sehr kreativ und visionär und ein angesehener Mann der heimischen Wirtschaft. 1914 zum BVB gestoßen, spielte er in jungen Jahren als Verteidiger selbst Fußball und war, wie gesagt, seit 1919 Jacobis rechte Hand in allen Vereinsfragen. 

Als neuer Vereins-Chef setzte der „Heinz,“ wie man ihn nur nannte, im Jubiläumsjahr 1924  markante neue Akzente. Neben dem Ausbau der „Weißen Wiese“ zum „BORUSSIA-SPORTPLATZ,“ dessen Herz und Motor er war, legte er sein Augenmerk auf zwei neue Disziplinen, die er  in den Verein

integrierte: Handball und Boxen. Die Boxer definierten sofort das Kürzel „BVB“ in „Boxen vom Borsigplatz“ um und platzierten dadurch eine erste eigene Duftmarke. Ihnen wurde eine separate Abteilung zugestanden; die Handballer hingegen gingen mit den Leichtathlen – die beiden Disziplinen galten traditionell als “verwandt” - zusammen. 

Handball fand Schwabens Interesse durch einen guten Bekannten, den Reichswehr-Hauptmann Drape, der als Vorsitzender des Polizei-Sportvereins seit geraumer Zeit eine entsprechende Abteilung unterhielt und überall dafür warb, denn in Dortmund führte diese Sportart bis dato ein Mauerblümchendasein. Drape träumte von mehr sportlicher Konkurrenz innerhalb des Kreises und als Resultat dessen von zusätzlicher Resonanz und Aufmerksamkeit. Deshalb animierte er den Sportkameraden Schwaben, ebenfalls Handball einzuführen. 

An die Spitze der neuen Abteilung traten zunächst Robert Unger, Bruder des ersten BVB-Präsidenten Heinrich Unger, und Karl Wienke, als Mitglied der legendären Sprintstaffel der Gründerjahre ein Begriff am Borsigplatz.

So populäre und verdiente Borussen wie Karl Hagedorn, Egon Pentrup und Fritz Weller komplettierten nach und nach die Handball-Führungsriege.

Die Spieler Heinrich und Ernst Dreesbeimdick, Theo Kopacki, Willi Hegel, Herbert Dirzus, Franz Meißner, Heinrich Westphalen, Hans Schaffrin, Paul Stremmel, Karl Ochenfahrt, Willi Lietz, Alber Ruttorf, Paul Heinz, Willi Lücke, Karl Behrend, Heinrich Horstmann und Otto Szymanzik gehörten zu den Akteuren “der ersten Stunde.”

Um als “Newcomer” innerhalb des Clubs Ansehen und Anerkennung zu erlangen, legten sich die Handballer 1924 beim Ausbau der “Weißen Wiese” zum “BORUSSIA-SPORTPLATZ” mächtig ins Zeug. Die Werbung in eigener Sache  machte Eindruck -  und genau das sollte sie ja auch!! 

Auch in ihrer ureigensten Sportart, dem Feldhandball, waren sie von Beginn an flott dabei und erkämpften sich sowohl  auf dem BORUSSIA-SPORTPLATZ  als auch auf den Spielstätten der Umgebung bald einen guten Namen, setzten bereits in den ersten Jahren beachtliche Akzente und organisierten ihren Spielbetrieb so effizient, dass, ehe man sich versah, zwei komplette Mannschaften aufgeboten werden konnten, um sich in Meisterschaftsspielen mit anderen Clubs zu messen.

Der sportliche Aufschwung ging zügig und erfolgreich vonstatten, was dazu führte, dass sich morgens bei den Handballern öfter mehr Zuschauer einfanden als nachmittags bei den kickenden Kollegen.

 

1926: Favorit Hamm bezwungen

So auch am 14. März. 1926, als es zu Hause vor 3.000 Besuchern (!)  gegen die renommierte Mannschaft der Hammer Spielvereinigung ging und die Schwarz-Gelben überraschend, aber verdient, mit 6:2 Toren gewannen. Die Gäste waren wegen ihrer körperlichen Präsenz und dem damit verbundenen wuchtigen Spiel, das schwer einzudämmen war, gefürchtet. Aber der BVB war bestens eingestellt. Gleich nach dem Anpfiff  ging er couragiert zur Sache, fing die erste Aktion der Gäste ab und sofort entwickelte sich ein spannender Kampf. Leider litt die Partie unter dem schlechten Wetter und dem damit verbundenen schweren Geläuf. Es kam immer wieder zu kuriosen Situationen, wenn Spieler parterre gingen. Bester Mann auf dem Feld war Borussias Stürmer Kopacki, der mit zwei Treffern den Halbzeitstand (2:0) herstellte. Der BVB überzeugte über weite Phasen mit guter Ballbehandlung und flinken Kombinationen.

In der zweiten Hälfte dominierten die Schwarz-Gelben weiter, wobei sich Meißner und Stremmel erheblich steigerten und mehrfach gefährlich vor dem Gästetor auftauchten. Als Stremmel das 3:0 erzielte, war die Gegenwehr der Hammer gebrochen. Dieses vorentscheidende Tor fiel recht kurios. Der Hammer Keeper unterschätzte Strmmels Wurf aus 16 Metern und ließ den Ball aus den Händen gleiten, der dann über seine Schulter den Weg ins Netz fand. Schön und gleichzeitig effektiv waren über die volle Distanz die Kombinationen des BVB- Innensturms, gegen die die Hammer keine adäquate Antwort fanden. Der Endstand von 6:2 für die Gastgeber entsprach voll und ganz dem Spielverlauf.  

 

1930er Jahre: Erfolgreiche BVB-Handballer!

Die gute sportliche Entwicklung schlug sich in entsprechenden Spiel- und Saisonergebnissen nieder: Bereits 1932 konnten die Borussen in die höchste Handballklasse aufsteigen.  Zur Aufstiegstruppe gehörte ein gewisser August Lenz, der nicht nur Fußball-Nationalspieler war und als Sprinter Aufsehen erregte, sondern auch als Handballer sein Können nachwies. Akteure wie Gruhn, Burzik oder Kopacki waren ebenfalls vielseitig unterwegs. Ähnlich wie der blonde August zeigten sie sowohl im Handball als auch im Fußball ihr beachtliches Können.

Wenig später durfte sich der Gruppenmeister BVB sogar an den Spielen um die Ruhrgaumeisterschaft beteiligen.

Die Mannschaft mit Meissner, Jerrai, Mönnekes, Weller, Burzik, Clench, Schmidt, Sümers, Labs, Kitowski, Kopacki und Kaminski war aufgrund der beachtlichen Erfolge bald in aller Munde. Kurze Zeit später kam Josef “Jupp” Fröhlich hinzu, der gut zwei Jahrzehnte später als Trainer besondere Akzente setzte und 1955 den Aufstieg in die Oberliga Westfalen perfekt machte.

Die Kehrseite der Medaille: Andere Clubs wurden auf die talentierten Dortmunder Nordstädter aufmerksam und lockten sie fort vom Borsigplatz. Das schmerzte, zumal der durchaus begabte Nachwuchs die entstandenen Lücken quantitativ nicht vollständig schließen konnte. Trotzdem belegte man bereits in der Saison 1938/39 wieder einen ehrenvollen zweiten Tabellenplatz hinter dem MS Hamm, nachdem sämtliche Spiele der Rückrunde siegreich absolviert worden waren. In diesen Jahren profitierten die Handballer von dem guten “Händchen” und dem Sachverstand ihres Handball-Obmanns Willi Bietzek, der, wenn erforderlich, mit Erfolg auch in die Rolle des Trainers schlüpfte.

Auch die Jugendmannschaft ließ aufhorchen. 1938/39 belegten die Jung-Borussen hinter dem TV Eintracht Dortmund den zweiten Tabellenplatz in der lokalen Spitzenliga.

Der 2. Weltkrieg hatte für die Handballer ähnlich tragische Konsequenzen

wie für die Kollegen vom Fußball: Viele Jungs, die an der Front gekämpft hatten, kehrten nicht zurück.

In dieser Zeit übernahm Handball-Abteilungsleiter Willi Bietzek die historische Rolle Franz Jacobi aus dem 1. Weltkrieg und sorgte dafür, dass die Soldaten des Clubs – Handballer, Fußballer und Leichtathleten - kontinuierlich mit Informationen aus der Heimat versorgt wurden, um den Kontakt zum BVB und zum Borsigplatz nicht abreißen zu lassen. 

 

Nach dem 2. Weltkrieg: Ziel Oberliga

1945 lag Dortmund in Trümmern. Überall herrschten Not und Elend; die City war zu 93% zerstört. Die Menschen waren der Verzweiflung nahe, wussten nicht, wo sie wohnen, wie sie sich kleiden und ernähren sollten.

Das sportliche Leben begann unter dem Einfluss der britischen Besatzungsmacht und ihres Sportbeauftragten Fritz Kauermann zunächst schleppend, entwickelte sich Ende 1945 aber wieder Schritt für Schritt nach vorn. Für den Handball war innerhalb des Kreissportverbandes Dortmund eine eigene “Fachschaft” zuständig. Der BVB wurde der Gauklasse, nach der Oberliga die zweithöchste Spielklasse, die 1b. der Kreisliga zugeordnet. Nach Abschluss der Meisterschaftsrunde 1945/46 hatte sich die “Erste” gut behauptet, während die 2. Mannschaft nach dem SC Brambauer auf Platz zwei vor Brechten, Lünen und Lindenhorst landete. Sie hätte damit sogar aufsteigen können, was aber nach den Verbandsregularien nicht möglich war.

Als generelles sportliches Ziel für die Zukunft gab die Handball-Abteilung das Erreichen der höchsten Spielklasse, der Oberliga Westfalen, heraus! Das war sehr ambitioniert, sehr mutig!

Die folgenden Jahre bis etwa 1956 waren die sportlich interessantesten der Handball-Herren überhaupt und sollen deshalb etwas eingehender beleuchtet werde

Ende Oktober 1946 gab es auf dem Alemannia-Sportplatz an der Eberstraße das erste weit über die Stadtgrenzen hinaus beachtete Handballfest nach dem 2. Weltkrieg: Vor 10.000 Besuchern spielte die Auswahl Westdeutschlands gegen den Norden und siegte verdient nach großer Leistung mit 13:7. Im Team der Gäste spielte Siegfried Perrey, der später einer der wichtigsten deutschen Sportfunktionäre werden sollte. Die gesamte BVB-Mannschaft war vor Ort und bekam qualifizierten Anschauungsunterricht, der aber zunächst nichts fruchtete.

Die Gauklassen-Saison des Jubiläumsjahres 1949 gingen die BVBer zwar mit durchaus berechtigten Hoffnungen an, versiebten aber den Saisonstart mit fünf Niederlagen in Folge kläglich. 

Unabhängig von der Meisterschaftsrunde spielten sie und ihre Vereins-Kolleginnen im Oktober 1949 in der Hoesch-Kampfbahn ein Benefizturnier zugunsten des Tbc-Hilfswerks und bewiesen damit ein lobenswertes soziales Engagement. 

Zu den Stützen des damaligen Herren-Teams gehörten Hengstmeier, Kaufmann, Just, Siegmund, Watteroth und Chwatacz.

Beim Meisterschaftsspiel in Recklinghausen fehlte ein plötzlich erkrankter Akteur. Der langjährige Spieler und jetzige Kassenwart Watteroth ließ sich nicht lange bitten, streifte “Schlips und Kragen” ab, stand plötzlich in schwarz-gelb da und machte mit. Leider fehlte ein Törchen zum eigentlich verdienten Punktgewinn.

Insgesamt gesehen verlief die Saison aber nicht so, wie erhofft, denn am Ende stand der Abstieg in die Bezirksliga. Erst ganz zum Schluss wurde der überfällige Altersschnitt gemacht und das Team auf mehreren Positionen verjüngt. Zu spät!

Der kühne Traum von der Oberliga war in weite Ferne gerückt.

Aber: Trotz des Abstiegs verließ kein einziger Spieler die Borussia!

In der Bezirksklasse legten die Männer 1951/52 einen guten Start hin und holten aus drei Spielen 5:1 Punkte.

Zum lokalen Saisonhöhepunkt wurde das Match gegen TuS Wellinghofen, das der BVB Anfang 1951 mit 15:13 gewann.

Im März 1952 wurde Fritz Weller wieder einmal Handball-Abteilungsleiter.

Schon kurz danach gab er bekannt, dass das Club-Urgestein Josef „Jupp“ Fröhlich, als Leichtathlet und Handballer allen am Borsigplatz ein Begriff, von der kommenden Saison an als Trainer die Handballer übernehmen würde. 

Auch der Verband verkündete Neuigkeiten und teilte - überraschend - mit, dass künftig  eine neue Liga, die Landesliga, eingeführt werden solle, der der BVB zugeordnet würde.

Den Saisoneinstieg 1952/53 feierte die Borussia mit einem Turniersieg in Eindhoven. Es war das erste Mal, dass nach dem 2. Weltkrieg eine Dortmunder Mannschaft zu einem Sportereignis nach Holland eingeladen wurde. Der BVB schlug sich prächtig, siegte gegen Eindhoven und Zürich und verlor lediglich im Endspiel gegen die Sportfreunde Gevelsberg (14:20).

Torhüter Brinkmann, aus Aplerbeck gerade erst zum BVB gestoßen, stellte in Eindhoven erstmals sein beachtliches Können unter Beweis. Erfreulich: Bereits jetzt erkannte man die Handschrift des neuen Trainers Jupp Fröhlich. 

Mit Brinkmann, Weller, T. Grothues, Cerwinski, Meyer, J. Grothues, Waskowiak, Just, Henksmeier, Sigmund und Darge trat man anschließend gegen Dorstfeld an und siegte mit 6:3. Der neue Stamm der 1. Mannschaft begann sich zu formieren.

Gegen Tabellenführer Hattingen setzte es zu Hause anschließend allerdings eine 7:11 Niederlage. 3.000 Besucher erlebten ein tolles Spiel, das hin und her wogte. Bester Borusse war einmal mehr Keeper Brinkmann. Insgesamt war die Partie eine gelungene Werbung für den Handballsport!

Mit guten Ergebnissen in den folgenden Partien hielt der BVB Anschluss an die Tabellenspitze.

Zu Beginn der Rückrunde lag er mit nur zwei Punkten Rückstand unmittelbar hinter Spitzenreiter Hattingen. Die letzten sechs Spiele wurden alle gewonnen! Die gut trainierte Fröhlich-Truppe profitierte von ihrer guten körperlichen und spieltaktischen Verfassung.

Anfang März ging es zum Rückspiel nach Hattingen. Das Spiel Erster gegen Zweiter ging leider mit 5:12 verloren. 

Die Partie fand erneut vor 3.000 Besuchern statt und hatte ein hohes Niveau, da beide Seiten hervorragenden Sport auf Augenhöhe boten. 

Hattingen als Tabellenerster stieg nach Abschluss der Meisterschaftsspiele auf, der BVB als ausgezeichneter Zweiter leider nicht, hatte seine Anhänger aber keineswegs enttäuscht!

Das große Ziel, in der Oberliga, also zwei Klassen höher zu spielen, lebte weiter!

1954/55: Meister der Landesliga, Staffel 4.

Die Saison 1954/55 begann mit Unentschieden gegen die starken Kontrahenten TV Soest und Hamm. Unser Team präsentierte sich gefestigt, mit ihm musste gerechnet werden! Neben Soest und Hamm waren Kamen, Ahlen, Aplerbeckermark, Jahn Soest, Ahlen und Oelde die sportlichen Mitbewerber um “höhere Weihen.“

In den ersten fünf Spielen blieb der BVB ungeschlagen und unterstrich seine Ambitionen. Insbesondere gegen Kamen gab es einen harten Kampf, in dem man sich knapp durchsetzte.

Der Oktober wurde ein schwarzer Monat. Zwei Siege, zwei Niederlagen und ein Unentschieden waren eigentlich zu wenig für die Borussen und ihre Ambitionen.

Um diese Scharte auszuwetzen, startete der BVB elanvoll mit zwei Siegen gegen Soest und Hamm in die Rückserie. In der Tabelle lag er jetzt drei Punkte hinter dem VfL Kamen, der mit 22:4 Zählern führte.

Die weiteren Spiele wurden zu einem Zweikampf mit dem alten Rivalen aus dem Nachbarkreis Unna, den der BVB letztlich für sich entschied. Nach den 20 Meisterschaftsspielen führte er in der Tabelle mit 32: 8 Punkten vor dem VfL Kamen mit 29:11 Punkten und Ahlen mit 25:15 Punkten an und wurde damit Meister der Landesliga, Staffel 4.

Das erste Ziel war erreicht, das zweite – der Aufstieg in die Oberliga -musste noch realisiert werden. 

1955: Ziel Oberliga erreicht.

Den 19. Juni 1955 haben die BVB-Handballer bis zur Auflösung der Männer-Mannschaft in den späten 1980er Jahren oft als die Krönung ihrer gesamten Vereins-Geschichte bezeichnet.

Denn an diesem letzten Spieltag der Aufstiegsrunde, die man als Sieger der westfälischen Staffel IV erreicht hatte, stiegen die Herren von Borussia Dortmund  in die Oberliga Westfalen und damit in die höchste deutsche Handball-Spielklasse auf. 

Der Gegner in dieser entscheidenden Heimpartie war Sachsenross Hille.

In den Spielen zuvor gegen Hohenlimburg, SV Gütersloh, TG Münster und Ferndorf hatte man eine gute Ausgangsposition für den lang ersehnten Aufstieg geschaffen. Allerdings musste man gegen Hille gewinnen, sonst konnte man sich alle Ambitionen von der sprichwörtlichen Backe putzen. 

Die „Sachsenrösser“ waren der erwartet schwere Gegner mit spielerisch und taktisch bestens geschulten Akteuren. Die Partie wogte hin und her und stand vom Ergebnis her immer auf des Messers Schneide. 

Die Gäste hatten bereits drei Tore vorgelegt, als der BVB zum ersten Mal erfolgreich abschloss. Auf beiden Seiten zeigten sich die Angriffsformationen in guter Verfassung, trafen allerdings auf ähnlich gut disponierte Torhüter. Nach dem Pausenstand von 5:5 wurde die Dramatik in der zweiten Halbzeit auf die Spitze getrieben. Die Borussen kämpften mit dem Mut der Verzweiflung, Hille hielt dagegen und das Ergebnis offen. Dabei halfen den “Sachsenrössern” drei verwandelte 13-Meter-Strafwürfe.

Unmittelbar vor dem Abpfiff tauchte urplötzlich Borussias „Mr. Handball“  Fritz Weller im Angriff auf, schnappte sich das Leder, setzte gekonnt eine Körpertäuschung an, zog trickreich ab, und der Ball trudelte am verdutzten gegnerischen Keeper vorbei ins rechte Toreck. Das war der entscheidende Treffer zum 13:12. Sekunden danach war die Partie beendet. Gemeinsam mit ihrem Trainer Jupp Fröhlich tanzten die Schwarz-Gelben ausgelassen über das Spielfeld. Das vor Jahren ausgegebene Ziel war erreicht und die höchste deutsche Spielklasse im Sturm erobert worden.

Die Namen der siegreichen Kämpen: Henkmeier, Just, Brinkmann, Darge, Cerwinski, Weller, Siegmund, Hansmeier, Waskowiak, Thurau, Abramowsky, Grothus, Scholten, Wick, Schoppohl.

Fritz Weller, der Schütze des entscheidenden Tores gegen Hille, war zum Zeitpunkt des Spiels bereits 43 Jahre alt, aber immer noch ein unermüdlicher Kämpfer, der nie resignierte, geschweige denn aufgab.

Als Lohn für den großen Erfolg lud der BVB-Vorstand seine Handballer einen Monat später zum Endspiel um die Feldhandball-Weltmeisterschaft 1955 in die Rote Erde ein. Gemeinsam mit 45.000 begeisterten Zuschauern erlebten die frisch gebackenen Oberligisten den Gewinn des WM-Titels der Deutschen Nationlmannschaft gegen die Schweiz. Das war für die Bundesrepublik nach der Fußball-WM 1954 der zweite ganz große Titel in einer Mannschaftssportart nach 1945!

Leider war es den Borussen nicht lange vergönnt, in der Oberliga zu spielen. Bald musste man der Erstklassigkeit wieder adieu sagen; es folgte der Abstieg in die Landesliga.

Es hatte Turbulenzen und Querelen gegeben innerhalb der Mannschaft. Zum Training kamen manchmal nur vier, fünf Akteure, bei Meisterschaftsspielen fehlte schon einmal unabgemeldet der eine oder andere Spieler, der sonntags arbeiten musste. Trainer Jupp Fröhlich resignierte und verließ den BVB in Richtung Eintracht Dortmund. 

Das alles war nicht zu verkraften und schlug sich in den Leistungen nieder. 

Das hohe Niveau zu halten, fiel den Handballern auch deshalb schwer, weil „König“ Fußball mehr und mehr die Geschicke des BVB bestimmte.

In der Halle konnte man dem TuS Wellinghofen zwar noch zweimal ein Schnippchen schlagen und den Kreismeistertitel erobern, allerdings galt Hallenhandball damals noch mehr als Bewegungstherapie für den Winter denn als ernst zu nehmende Sportart. 

Zehn Jahre – von 1959 bis 1969 – spielte man auf dem Feld in der Landesliga, danach in der Bezirksliga. 

Dann verlor Feldhandball an Bedeutung und Hallenhandball trat seinen Siegeszug an. 1974 wurde der BVB der Hallen-Kreisliga zugeordnet.

Mit den Trainern Rainer Butt und Jupp Waskowiak verblieb man in dieser Liga. Der eine oder andere angestrebte Aufstieg konnte - wenn auch knapp – nicht realisiert werden. 1983/84 sah es recht gut aus. Der neue Trainer Norbert Jambon, der vom TuS Wellinghofen zum BVB stieß, und fünf neue Akteure sorgten für gute Leistungen, die in der Endabrechnung für einen zweiten Tabellenplatz, aber leider nicht für den Aufstieg, langten. 

Sportlicher Leiter der Herren war von 1978 bis 1987 Heinz Reitemeyer; ihm folgte Hans Thurau. Doch die Zeit der Handball-Herren war vorbei. Nach erheblichen Querelen mit dem Verband beschloss der Vorstand das sportliche Ende der Herren einschließlich der Jugendmannschaften und fokussierte sich von nun an ausschließlich auf die Damen.

Der Damenhandball beim BVB

1926: Borussias Damen melden sich zu Wort

Einen ganz besonderen Schritt wagte der BVB-Vorstand 1926. Seit Jahren schon forderten die Ehefrauen und Freundinnen der Aktiven, ebenfalls Wettkampfsport betreiben zu dürfen. Ihr Wort hatte Gewicht im Club. Immerhin waren sie es, die die überaus beliebten Vereinsfeiern planten und organisierten. Der Meinung der “Herren der Schöpfung,” die holde Weiblichkeit gehöre an den heimischen Herd und keinesfalls auf den Sportplatz, begegnete man kühl mit dem Hinweis, dass eine negative Entscheidung ihres Ansinnens erhebliche Auswirkungen auf die Qualität der BVB-Feten haben würde.

Das hieß mit anderen Worten: “Dann seht mal zu, wer Euch Eure Feiern organisiert, wenn Ihr uns weiterhin vom Sport ausschließt.”

Das saß und machte geschmeidig. Im Sommer 1926 war es soweit:  Borussia bekam eine Damenabteilung, in der Leichtathletik und Handball betrieben werden konnten. Und siehe da: Die sporttreibenden jungen Frauen legten viel Ehrgeiz und Ausdauer an den Tag und bissen sich durch. Mit ihrem Elan wurden sie auch wichtige Wegbereiterinnen des Damensports innerhalb unserer Stadtgrenzen. Sie waren sich offensichtlich der Verantwortung ihren Geschlechtsgenossinnen gegenüber auf dem Weg zu sportlicher Emanzipation jederzeit bewusst und steckten nie auf.

Die Damen machten sich im Handball rasch einen guten Namen. Unter Trainer Karl Hagedorn spielten Hilde Trott, Luise Sümerns, Lisbeth Hagedorn, Mieze Schaffrin, Hetty Wollkewitz, Adelheid Krischka, Grete und Luise Neuhaus, Luise Sümmern, Anne Hege, Irma Pulah, Luise Groh, Hanna Bäk und später auch Hetty Trautmann. 

Nach getaner sportlicher Arbeit ging es im Vereinslokal „Zum Wildschütz“ so manches Mal fröhlich zu. Da lernte Emil Stachorra, der großartige Mittelläufer der 1. Fußball-Mannschaft, sogar das Tanzen. Toni Weller, die Schwester des legendären Fritz Weller, brachte es ihm bei...

Hedwig „Hetti“ Trautmann erinnerte sich in einem Interview 1999:

„Zu den Handball-Mädchen von Borussia bin ich 1936, also mit 16 Jahren gekommen. Ich war damals die Jüngste in der Mannschaft und habe zunächst im Tor gespielt. Später, als Gerda Rosteck zu uns kam und ins Tor ging, spielte ich im Feld als Rechtsaußen, da ich Linkshänderin bin.  

Für mich war der Sport eine Mischung aus Geselligkeit und Leistungssport. Gerade das machte für uns alle den Reiz aus!“

Leider wurde die Frauenabteilung nach einigen Jahren kriegsbedingt aufgelöst, sodass ich zum DSC 95 wechselte, um weiter Handball spielen zu können.“

Über die neue Sparte hieß es übrigens 1926 im BVB-Vereinsheft für die Monate Juli-August:
„Die jüngste Abteilung unsers Vereins ist die Damenabteilung. Sie besteht sieben Wochen und zählt bereits 31 Mitglieder. Wider Erwarten sind die Damen mit großem Eifer und guter Beteiligung beim Training vertreten. So bleibt nur zu wünschen übrig, dass auch alle, die Sport betreiben wollen, wahre Sportsauffassung haben. Wer nicht von dem Willen beseelt ist, den Sport des Sportes und der Körperkultur wegen zu betreiben, wird auch nicht in der Damen-Abteilung zum Ziele kommen. Hoffen wir also, dass wirkliche Sportbegeisterung und nicht die Sucht, die neue Mode „Sport“ mit zu machen, das Leitmotiv unserer Damen-Abteilung sein und bleiben möge.“

Das sollte heute mal jemand schreiben!

 

Nach 1945: Erstes Hallenhandballspiel in Münster

Nach dem 2. Weltkrieg gab es die Renaissance des Damenhandballs beim BVB. Die Sport-Amazonen gingen trotz aller Einschränkungen und Nöte wieder voller Elan zu Werke, wurden der 1. Kreisklasse zugeordnet und schafften es 1949, im Jahr des 40jährigen Club-Bestehens, in die höchste Frauenklasse aufzusteigen. Hier waren nicht nur Mannschaften aus Dortmund Gegnerinnen, sondern auch Teams aus der weiteren Nachbarschaft. Die gute allgemeine Entwicklung zeigte sich auch darin, dass der BVB 1949 eine 2. Frauen- sowie eine Jugend- und eine Schülerinnenmannschaft aufbieten konnte. 

Am Buß- und Bettag 1949 erlebte die Frauenabteilung einen großen Tag: Mit über 30 Teilnehmerinnen ging es nach Münster, um dort in der Halle Münsterland an einem großen Hallenturnier teilzunehmen. Obwohl die Borussinnen zum ersten Mal überhaupt „indoor“ spielten, kamen sie gut zurecht und belegten in der Endabrechnung unter 15 Mannschaften einen guten fünften Rang. Die Jugendmannschaft wurde sogar ohne jeden Punktverlust Turniersieger. Das war ein sehr respektabler Einstieg in das Abenteuer „Hallenhandball.“

In ihrer ersten Feld-Saison in der Industrieliga bewies die 1. Mannschaft, dass sie auch hier gut mithalten konnte.

Noch erfolgreicher war die weibl. A-Jugend. Sie feierte 36 Siege in Folge und war so stark, dass sie sogar die Dortmunder Frauenauswahl bezwingen konnte.

Durch den Zuwachs von zehn guten Spielerinnen vom DSC 95 rüstete man gut auf und sicherte sich im Laufe der Zeit einen gefestigten Platz in der Industrieliga. 

Ein unvergesslicher Höhepunkt folgte am 26. 11. 1950 in der „Roten Erde“:  Die Borussinnen bestritten gegen den amtierenden Deutschen Meister Schwarz-Weiß Barmen vor ganz großer Kulisse das Vorspiel der Oberliga-Fußball-Partie BVB – Schalke 04 (3:0), das sie leider nach 13 Siegen in Folge mit 2:6 verloren. Trotzdem beeindruckten sie durch die Komponenten Schnelligkeit, Fangsicherheit, Freilaufen und Spiel in den freien Raum und warben nachdrücklich für ihren Sport.

In die Meisterschaftsrunde 1951/52 starteten sie anschließend beflügelt und freuten sich über vier Siege in Folge. Die Spielerinnen Polley und Hill überragten. 

So erfolgreich ging es jedoch leider nicht weiter. Man schwächelte im weiteren Verlauf der Saison und konnte die hoch gesteckten Hoffnungen (noch) nicht ganz erfüllen.

Nach Abschluss der Spielzeit veranstaltete der Verband in der Eintracht-Halle die Industrie-Meisterschaft im Hallenhandball.

Die BVB-Damen gingen aus den Spielen gegen Teams aus Erkenschwick, Bochum, Herne und Dortmund als Erste hervor und wurden verdient „Bezirkshallenmeister!“ 

Und so konnte Abteilungsleiter Fritz Weller in der Weihnachtsfeier 1955 stolz darauf verweisen, dass die Handballerinnen ihren positiven Weg weiter beschritten hatten. 

Von Sieg zu Sieg eilend, wurden danach die Titel „Industriemeister“ im Feld- und Hallenhandball, „Pokalsieger“ und „2. Westfalenmeister“ gewonnen.

Heinrich Karsten, der bedeutende Chronist des BVB, schrieb: „Erfreulich ist, dass unsere Handball-Mädel die Tradition der früheren Generation aufrechterhalten konnten. Davon geben zahlreiche Meisterschaften unserer Frauen sowohl im Feldhandball als auch im Hallenhandball in letzter Zeit Kenntnis.“

Wobei auch für die Damen das Thema „Feldhandball“ zugunsten des rasanteren Hallenhandballs beendet wurde.

 

Aufstieg in die Regionalliga 1975

Die BVB-Damen zeigten im neuen Format „Hallenhandball“ in den Folgejahren durch konstant gute bis sehr gute Leistungen augenfällig, dass auch sie willens und in der Lage waren, im „Ballspielverein Borussia“ weiterhin eine gute Rolle zu spielen. 

Sie arbeiteten sich von Klasse zu Klasse hoch und höher, stiegen in die Oberliga und 1976 als Westfalenmeister in die Regionalliga West auf. 

Bärbel Puchert, mittlerweile 60 Jahre BVB-Mitglied, stieß 1959 als 18-Jährige

zum Verein und erlebte als Spielerin und später als Mannschaftsbetreuerin die Entwicklung „hautnah“ mit. 

Sie verweist in einem Gespräch darauf, dass es die Handballerinnen beim BVB damals nicht leicht hatten. „Wir Mädchen mussten uns gegen die Männer durchsetzen, die lange Zeit meinten, sportlich im Club den Hut aufzuhaben und die Nr. 1 zu sein. Hinzu kam die schwierige Hallensituation. Wir haben viele unserer Oberliga-Spiele in DO-Eving ausgetragen, bevor wir dann nach DO-Wellinghofen umziehen konnten. Wenn wichtige Begegnungen anstanden, wurden diese in Kamen und in Unna gespielt. Das war nicht immer prickelnd.“

Sie bezeichnet den ersten Aufstieg in die Regionalliga als den größten sportlichen Erfolg, an dem sie persönlich als Spielerin mitgewirkt hat. 

Bärbel Puchert war beruflich beim Deutschen Handball-Bund in Dortmund in der Geschäftsführung, später als Hauptgeschäftsführerin tätig und stellte dadurch eine sehr gute Verbindung zwischen dem BVB und dem Verband her, was sich für beide Seiten positiv auswirkte. 

Die erste Spielzeit in der zweithöchsten Liga brachte mit dem vierten Rang in der Endabrechnung ein ausgezeichnetes, selbst von Optimisten nicht erwartetes Gesamtresultat. Da strahlte nicht nur Trainer Harald Becker!

Leider verließ vor Beginn der Saison 1977/78 die Spitzenspielerin Renate Wolf den BVB, um zum Bundesligisten Bayer Leverkusen zu wechseln. 

Das war bedauerlich, aber für die Verantwortlichen keine Überraschung.

Bärbel Puchert, mittlerweile Frauenwartin: „Es stand schon seit geraumer Zeit fest, dass uns Renate nach dem Abitur verlassen würde.“

1979 fehlte ein einziges Pünktchen zum Aufstieg in die Bundesliga. Es folgte ein qualitativer Einbruch, die Klasse konnte nicht gehalten werden..

Trainer Harald Becker und zwölf Spielerinnen verließen im Unfrieden den BVB.

Neuer Coach wurde Horst Paschvoss, mit dem in der Saison 1981/82 der erneute Aufstieg in die Regionalliga nur knapp verfehlt wurde. Susanne Lakmann erhielt eine verdiente Berufung in die Junioren-Nationalmannschaft.

Als der BVB 1984 75 Jahre alt wurde, hatte der Damenkader folgendes Gesicht:

Betty Bialy, Maria Dörr, Heike Beck, Erika Bedser, Petra Bertschik, Carola Bohl, Elli Freusch, Elke König, Susanne Laukmann, Kerstin Lutrop, Bärbel Rust, Anna Thurau, Michaela Veith und Tatjana Schnadt, 

1988 wurde Heinz Reitemeyer zum Handball-Abteilungsleiter gewählt. 

Kurz nach seiner Amtsübernahme wurden die Damen Oberliga-Meister und stiegen wieder in die Regionalliga auf.  Zu der Truppe gehörte auch Maria Kovacs, die Ehefrau des „großen“ Peter Kovacs, der damals beim OSC Thier spielte und lange Zeit als bester Handballer der Welt galt. Reitemeyer: „Maria war eine wirklich gute Deckungsspielerin und sichere Siebenmeter-Schützin!“ Trainer Heinz Paschvoss, der die Truppe neun Jahre erfolgreich trainiert hatte, sagte ade und schied aus dem Traineramt.

Ihm folgte 1989 ein neuer Coach, den Heinz Reitemeyer rückblickend als wahren Glücksfall für den Verein bezeichnete: Gustl Wilke. Unter Wilke wurde der BVB 1991 Meister der Regionalliga, 1993 Meister der 2. Bundesliga und damit Aufsteiger in die 1. Bundesliga. 

 

1994 wurde der BVB Sechster in der Bundesliga und „Vize“ im DHB-Pokal. TuS Walle Bremen war im Endspiel ein wenig zu stark.

Reitemeyer und Wilke formten ein Team von internationaler Klasse, zu dem u. a.  Franziska Heinz, Eike Bram, Silvia Schmitt, Renate Wolf, Rasa Schulskyte und Corinna Kunze gehörten.

Der Abteilungsvorstand fasste in diesen Jahren den weitsichtigen Beschluss, die Jugendarbeit weiter zu intensivieren. Als Trainerinnen für den Nachwuchs wurden Ingrid Fahle und Conny Botschkowski gewonnen. Conny Botschkowski als Torfrau der Regionalligaformation war dabei natürlich für den weiblichen Nachwuchs ein inspirierendes Vorbild, dem man gut nacheifern konnte. Damit war der Startschuss für eine kontinuierliche Nachwuchsarbeit vollzogen, die viele schöne Erfolge zeitigte und später in die Sport-Kooperation mit dem Goethe-Gymnasium, einem der wichtigen NRW-Sportgymnasien, einmündete.

Zwischen 1995 und dem Jahr 2000 platzierten sich die 1. Mannschaft stets im oberen Tabellendrittel, zumeist sogar unter den ersten Drei. 1995 absolvierte der BVB seine ersten Handball-Europapokalspiele und gewann bei Druzstevnik Topolniky 18:16 sowie im Rückspiel 24:21. Im Europapokal-Halbfinale war dann aber gegen Lützelinden Schluss. Trotz des Ausscheidens gab es in der Halle Wellinghofen minutenlange Ovationen für die Spielerinnen, denen Trainer Gustl Wilke als Dank und Anerkennung jeweils eine Rose überreichte.

Auch der BVB-Gesamtvorstand urteilte: „Die Erfolge unserer Damen haben sich sehr positiv für den Verein ausgewirkt. Wir werden in Zukunft darauf achten, dass wir nicht nur ein Fußballclub sind, sondern der Ballspielverein Borussia Dortmund!“

Heinz Reitemeyer: „Wir konnten die Mannschaft mit Lidia Draganescu aus Rumänien, Silke Gnad von Walle Bremen, Anna Disselhoff und Bettina Sankowski anschließend noch einmal verstärken.

Dann tauchte ein unerwartetes Problem auf: Lidia Dragunescu hatte auch bei Bayer Leverkusen einen Vertrag unterschrieben. Der Kontrollausschuss des Deutschen Handball-Bundes empfahl, Lidia sollte bei Bayer Leverkusen spielen. Wir fanden aber eine außergerichtliche Einigung mit Bayer; die Kuh war vom Eis! Nach dem Sieg gegen TSV Nord-Harislee (31:19) hatten wir den 3. Tabellenplatz gesichert und waren zur Teilnahme am EHF-Cup berechtigt. Als Belohnung ging es nach Sylt zu einer Saisonabschlussfeier. Einige unserer Mädchen wurden tränenreich verabschiedet. Es war unvergesslich!!“

Die folgende Saison 1996/97 wurde herausragend. Mit Michaela Erler, Agnes Farkas (Ungarn), Anna Osiakowska, Stefanie Ebert, Christina Althans und Nicola Glania kamen weitere Spitzenkräfte hinzu. Beim bestbesetzten Turnier Europas in Bad Urbach erreichte der BVB das Finale gegen Europacupsieger Hypobank Wien und verlor denkbar knapp mit 16:17.

 

1997: Endspiel im EHF-Pokal gegen Ljubiljana/8.700 Besucher/innen in der Westfalenhalle

Der 11. Mai 1997 war ein ganz großer Tag in der Geschichte des Dortmunder Handballsports. In der Westfalenhalle traf der BVB im Endspiel um den EHF-Pokal auf Olimpia Ljubiljana (Slowenien). Das Hinspiel hatte man mit 26:18 Toren verloren. Allerdings fühlten sich die Borussinnen in dieser Partie ziemlich verschaukelt, wie auch der mitgereiste Vizepräsident Ernst Beer feststellte, der den BVB-Damen sehr verbunden war. Das Match fand unter der Leitung von zwei russischen Schiedsrichtern statt, die später international gesperrt wurden.

Das Rückspiel in der großen Westfalenhalle vor 8.700 Besuchern/innen brachte eine absolute Rekordkulisse und den Schwarz-Gelben einen 30:26-Sieg. Das reichte zwar nicht zum Titelgewinn, war aber eine tolle Werbung für den Frauenhandball, wie auch der anwesende Bundestrainer Ekke Hoffmann erkannte und öffentlich betonte. 

Großes Lob gab es von Dortmunds Oberbürgermeister Günter Samtlebe, der die  Mannschaft zum ersten Mal erlebte. Nach dem Finale gab es ein großes Bankett  im Rathaus für die beiden Teams und die Offiziellen.

 

1997: Gewinn des DHB-Pokals gegen Lützelinden

Drei Wochen später, am 31. Mai 1997, wurde der erste bedeutende Titel in der mittlerweile 73-jährigen Geschichte der Handballabteilung gewonnen: Gegen den Deutschen Meister TV Lützelinden siegte man in Risa im Endspiel des abschließenden Vierer-Turniers mit 24:22 und holte sich damit den begehrten DHB-Pokal.

Gustl Wilke war es gelungen, seine Spielerinnen nach der Europacup-Niederlage innerhalb kurzer Zeit aus dem mentalen Tief zu holen und durch eine sensible Ansprache und akribische Trainingsplanung zu einem ungeahnten Hoch zu führen. In Risa herrschte fast eine Heimspielatmosphäre, so toll standen die 1.700 Besucher*innen hinter dem Außenseiter aus Dortmund. Lützelindens Trainer Dr. Hans-Jürgen Gerlach war noch lange nach dem Spiel sprachlos, hatten seine Spielerinnen doch noch zur Halbzeit in Führung gelegen, wenn auch nur mit einem Treffer Vorsprung. Insgesamt hatte ihn das couragierte Auftreten der Schwarz-Gelben aber mehr als überrascht. Überragend in dieser Partie Rasa Schulskyte, die überall als beste Linksaußen der Bundesliga gewürdigt wurde.

Die BVB-Equipe feierte ihren großen Erfolg beim Empfang der Stadt Risa bis in die frühen Morgenstunden.

1997 wurde das bislang erfolgreichste Jahr der Handball-Abteilung: Dritter Platz in der Liga, Europacup-Finale und DHB-Pokalsieger. Überragend!

Der BVB war mittlerweile eine Top-Adresse in Europa. Deshalb konnte es nicht verwundern, dass mit der Weltklassespielerin Tonja Sagstuen aus Norwegen sowie Janett Ohlmann und Steffi Urbisch erneut wichtige Verstärkungen den Weg nach Dortmund einschlugen. 

Heinz Reitemeyer:“ Im August 1997 haben wir sensationell das bedeutendste europäische Turnier in Bad Urach im Endspiel gegen Hypobank Niederösterreich gewonnen. Kreisläuferin Michaela Erler wurde zur besten Spielerin gewählt. Wir waren bestens in Europa angekommen!

In der Bundesliga lief es zunächst auch wie geschmiert. 14:0 Punkte bis zur WM-Pause. Die Weltmeisterschaft in Berlin fand mit unseren Damen Franziska Heinz, Michaela Erler und Anna Osiakowaska statt, die mit Deutschland Bronze holten. Für Norwegen war die überragende Tonja Sagstuen dabei.

Franziska Heinz wurde zur besten Akteurin des WM-Turniers und in der Handball-Woche anschließend als Nachfolgerin von Michaela Erler zur Handballerin des Jahres  gewählt. 

Die WM-Pause tat der Mannschaft allerdings nicht gut. Sie verlor ihren Rhythmus und blieb hinter den hochgesteckten Erwartungen zurück. Ein dritter Platz in der Liga und die Niederlage im DHB-Pokal gegen Lützelinden – das war weniger, als erwartet. Ich glaube, die WM hat uns die Deutsche Meisterschaft 1998 gekostet.“

 

Pokalsieger-Halbfinale gegen Zagreb/Gustl Wilke sagt „Tschüss“ 

Im EHF-Pokal erreichte der BVB 1998 das Halbfinale gegen Kras Zagreb. Es fehlten zwei Tore für das Endspiel. Die Saison-Bilanz war nicht schlecht, aber auch nicht ganz zufriedenstellend. Mit Tonje Sagstuen, Lida Dragnescu und Silke Gnad verließen drei Spitzenspielerinnen Dortmund.

Birte Tesch, Narcia Paunica, Karim Solem und Birte Wiechers traten an ihre Stelle. 

Franziska Heinz und Michaela Erler repräsentierten Deutschland bei der EM in den Niederlanden und erreichten Rang sechs. Dann teilte Erfolgstrainer Gustl Wilke mit, dass zum Saisonende Schluss für ihn sein würde. Zehn Jahre Spitzenhandball beim BVB seien genug. 

Damit endete eine echte Ära. Heinz Reitemeyer: „Ein wirklich guter Freund sagte ade, mit dem mich ein tiefes Vertrauensverhältnis verband.“

Die letzte Saison des Gustl Wilke brachte einen guten zweiten Platz in der Bundesliga, das Erreichen des Halbfinales im DHB-Pokal und des Viertelfinales im Europapokal. Hier war gegen Viborg, den späteren Pokalsieger, Endstation.

Nachfolger Wilkes wurde in Abstimmung mit dem scheidenden Trainer Michael Wolf, der die Neuzugänge Renate Hodek-Maier, Eun-Mi-Kim und Hannemann begrüßen konnte. Karim Solem beendete ihre Karriere nach drei Operationen und kehrte in ihre Heimat Norwegen zurück.

Nach unterschiedlichen Leistungen wurde der dritte Platz in der Bundesliga belegt, im Pokal gegen Herfeld in der Verlängerung verloren: und auch im EHF-Halbfinale gab es leider kein Dortmunder Handballwunder.

Innerhalb des Vereins waren auch in den unteren Bereichen gesunde Strukturen entstanden. Die zweite Mannschaft spielte in der Oberliga, die „Dritte“ in der Landesliga und die „Vierte“ in der Bezirksklasse. Die Jugend arbeitete nach wie vor mit dem Teilinternat des Goethe-Gymnasiums zusammen und hatte damit eine solide Basis.

Helmut Roßmaier vom „Goethe“ wurde Bundesliga-Obmann. Der Clou des Jahres: Die Borussinnen waren in diesen Tagen mit ihrem schönsten Lächeln auf der Außenfront eines Busses der Dortmunder Stadtwerke zu sehen, der im gesamten Stadtgebiet eingesetzt wurde. Eine brillante Werbung!

Den Verein verließen zum Saisonende Rasa Schulskyte, Anna Brandt und Narcia Paunica, die Neuverpflichtungen hießen Nadine Härdter, Anja Kramer, Ilka Held und Michaela Seifert. 

Die erste Bundesligasaison im neuen Jahrtausend verlief enttäuschend. Die  Heimspiel-Premiere gegen Minden wurde zwar noch gewonnen, aber dann folgte eine Niederlagenserie mit 1: 13 Punkten. Auch im Europacup wurden beide Spiele nach schwachen Auftritten gegen TMO Ankara verloren. 

Hinzu kam, dass sich Franziska Heinz einen Achillessehnenriss zuzog und für den gesamten Rest der Saison ausfiel.

Der Handball-Vorstand zog die Reißleine und beendete den Vertrag mit Trainer Wolf mit sofortiger Wirkung. Die Mannschaft wurde jetzt von Franzi Heinz und dem früheren Bundestrainer Dr. Georg Sondern gecoacht, der übergangsweise das Traineramt übernahm. 

Nachfolger von Dr. Sondern wurde Dr. Thomas Kutha, der frühere Nationaltrainer der Slowakei.

Heinz Reitemeier musste zu dieser Zeit aus gesundheitlichen Gründen die Abteilungsleitung an Diethardt Döring abgeben. Er wurde Ehrenvorsitzender der Handball-Abteilung, nachdem er bereits 1999 BVB-Ehrenmitglied geworden war.

„Der Neue“ namens Diethardt Döring trat ein schweres Erbe an, denn der Amtswechsel vollzog sich ausgerechnet in der ersten Krise der Handball-Abteilung seit dem Aufstieg 1993.

Döring, Referent im Amt von Oberbürgermeister Günter Samtlebe bei der Stadt Dortmund, war 1997 als Hallensprecher zum BVB gestoßen. 1998 wurde er stellvertretender Abteilungsleiter, 2001 Nachfolger des erkrankten Reitemeyer an der Spitze der Abteilung. 

Die Damen waren nach Abschluss der Saison lediglich auf Platz zehn der Tabelle gelandet und hatten das schlechteste Ergebnis seit dem Bundesligaaufstieg erzielt. Hinzu kam, dass die Handballabteilung durch die Umwandlung des BVB in eine KGaA alle ihre Finanzgeschäfte durch den Gesamtverein „absegnen“ lassen musste. Das war eine ziemliche administrative Herausforderung, die viel Zeit kostete, da die  Belange der Abteilung mit der gesamten wirtschaftlichen Ausrichtung der KGaA verknüpft und harmonisiert werden mussten. Später wurde sie dann aus der KGaA ausgegliedert und kam wieder zum „e. V.“ 

In dieser schwierigen Zeit wurden allerdings interessante neue Akzente gesetzt; man war recht innovativ. 

Insbesondere ist dabei die noch weiter intensivierte Nachwuchsförderung zu nennen.

Auch in Sachen Sponsoring bewegte sich viel. Diethardt Döring hatte recherchiert, dass die Bundesligaspiele eines Jahres in der tagesaktuellen Berichterstattung eine Reichweite von über 100 Millionen Kontakten zeitigten. Das war ein wichtiges Argument, um weitere Sponsoren zu interessieren. So konnte z. B. eine Kooperation mit „Orthomed“ geschlossen werden.

Und nicht zu vergessen: Die Damen posierten für einen Jahreskalender und dokumentierten auf diesem Wege, dass Anmut und Attraktivität auch im Leistungssport zu Hause sind.

Nochmals Heinz Reitemeyer:

„2003 habe ich die Abteilungsleitung nochmals übernommen. Unsere Mädchen gewannen unter ihrem Trainer Thomas Happe, seinem „Co.“ Manfred Zander und dem sportlichen Leiter Bertram Müller den Challenge-Cup gegen den rumänischen Vertreter Selmont Baia Mare. Dieser Pokalsieg war ein außerordentlicher Erfolg, der die langjährigen guten Leistungen unseres Teams abrundete und krönte!“

 

BVB gewinnt Challenge Cup der EHF

Nach dem Gewinn des DHB-Pokals 1997 heimsten die Borussinnen 2003 mit dem Challenge Cup der Europäischen Handball-Förderation den zweiten wichtigen Titel der Abteilungsgeschichte ein. Der Cup wurde von der EHF als Nachfolger des Euro City Cups eingeführt und stand immer ein wenig im Schatten der Champions League und des EHF-Pokals. Unabhängig davon ist der Titelgewinn eine besondere Auszeichnung für jeden Verein. So auch für den BVB!

An dem Wettbewerb können Clubs aus europäischen Landesverbänden teilnehmen, die im EHF-Nationenranking eine Position ab Rang acht einnehmen. Nach der Platzierung gestaffelt können die Länder bis zu vier Vertreter nominieren.

Die Finalrunde besteht aus zwei Endspielen.

Die BVB-Damen als Repräsentantinnen des Deutschen Handball-Bundes schlugen sich im Wettbewerb 2002/03 unter ihrem Trainer Thomas Happe ausgezeichnet und drangen sicher bis ins Finale vor. Hier war dann der rumänische Vertreter HC Selmont Baia Mare der Gegner.

Das Heimspiel wurde zu einer relativ klaren Angelegenheit. Der BVB gewann mit 24:16 und hatte damit einen Vorsprung von acht Treffern herausgearbeitet. Das war ein gutes Polster für die sich anschließende Partie in Rumänien.

Baia Mare hat etwa 120.000 Einwohner, liegt im Nordwesten Rumäniens am Westrand der Ostkarpaten und ist die Hauptstadt des Kreises Maramures.

Das Rückspiel in der Sporthalle von Baia Mare wurde zu einer kniffligen Angelegenheit mit spannendem Verlauf. Letztendlich unterlagen die Borussinnen mit 21:27. Dieses Ergebnis reichte mit einer Tordifferenz von plus zwei zum verdienten Titelgewinn. Die Freude bei den Spielerinnen, dem Trainerstab, den Betreuern und den Offiziellen war riesengroß, hatte man doch einen weiteren tollen Erfolg erzielt, der ein Ausrufezeichen hinter die im Club geleistete Arbeit setzte!!

Die langjährige Spielerin und Frauenwartin Bärbel Puchert nahm als Ehrengast des BVB an der Fahrt nach Rumänien teil und bezeichnet das damalige Spiel und die damit verbundene Reise als einen der besonderen Höhepunkte ihrer Vereinszugehörigkeit. „Es war ein großes Erlebnis für mich, und unser Team hatte durch das tolle Heimspiel-Ergebnis den Erfolg verdient,“ urteilte sie noch kürzlich in einem Gespräch.

 

Abstieg – Aufstieg – Abstieg – Aufstieg – ein Wechselbad der Gefühle.

Die folgenden Jahre verliefen turbulent und waren sportlich unterschiedlich erfolgreich. Nachdem es im Jahr nach dem großen Triumph noch eine weitere Teilnahme am Challenge Cup gab, folgte nach mehreren sehr durchwachsenen Spielzeiten 2007 der Abstieg in die 2. Bundesliga, Gruppe Nord. Im Anschluss daran gab es allerdings den direkten Wiederaufstieg. Mittlerweile hatte der ambitionierte und erfolgsorientierte Dortmunder IT-Unternehmer Andreas Heiermann die Position des Handball-Abteilungsleiters übernommen. 

Nach zwei weiteren Jahren in der belle etage des Frauen-Handballs fand man sich erneut in der 2. Bundesliga wieder, diesmal in der Gruppe Süd. Hier verblieb der BVB bis 2015. Dann war mit einem 2. Tabellenplatz in der Saison-Bilanz das Ziel Bundesliga wieder realisiert.

Gleich in der ersten Spielzeit platzierten sich die Borussinnen auf Rang sechs und erreichten darüber hinaus das Endspiel um den DHB-Pokal, das aber leider nicht gewonnen werden konnte.

In einem Gespräch prognostizierte Abteilungsleiter Andreas Heiermann 2017, der BVB würde in spätestens fünf Jahren die erste Deutsche Meisterschaft holen. In den folgenden drei Spielzeiten konnte diese Prognose mit dem sechsten, dem vierten und dem siebten Rang noch nicht mit Leben gefüllt werden. Es gab einige interne Schwierigkeiten, und das langjährige Vorstandsmitglied Jochen Busch verließ nach Querelen um Trainerin Ildiko Barna den Verein. Barnas Nachfolger waren Norman Rentsch und Gino Smits, dann stieß André Fuhr 2019 zum Club. Andreas Heiermann hatte einen Glücksgriff gelandet und gleichzeitig eine Spitzentruppe mit nationalen und internationalen Top-Spielerinnen zusammengestellt. Der Blick konnte auf die ersehnte „Deutsche“ gerichtet werden!

 

Die “Meisterspielzeiten” 2020 und 2021 

Als Handball-Vize Andreas Bartels am 1. September 2019 in der Sporthalle Wellinghofen den Kader für die Saison 2019/20 der Öffentlichkeit und den Fans präsentierte, konnte noch niemand ahnen, welche Turbulenzen, ausgelöst durch ein Virus namens Corona, die folgenden beiden Spielzeiten bestimmen, ja, entscheidend beeinflussen würden. 

Im Jahr zuvor hatte der BVB wegen der überfälligen Sanierungsmaßnahmen der städtischen Halle “Am Lieberfeld” zu DO-Wellinghofen in Herdecke und - bei internationalen Partien -  in Hamm antreten müssen. In beiden Städten war man hervorragend aufgenommen worden!

Der aktuelle Kader wies einmal mehr interessante neue Gesichter auf. Wieder war es den Verantwortlichen Andreas Heiermann und Andreas Bartels gelungen, die Mannschaft mit weiteren nationalen und internationalen Spitzenakteurinnen qualitativ zu verstärken. So kamen beispielsweise aus den Niederlanden Kelly Dulfer und Inger Smits hinzu. Clara Woltering hatte ihre aktive Zeit beendet und gehörte jetzt als Torwarttrainerin zum Team des neuen Chef-Coaches André Fuhr, der schon seit geraumer Zeit auf der Wunschliste der Borussia ganz oben gestanden hatte. 

Die Bundesliga-Spielzeit lief wie “geschmiert.” Lediglich einer einzigen Niederlage gegen Metzingen (24:28) standen 18 gewonnene Spiele, zu denen auch die Partie gegen den amtierenden Deutschen Meister Bietigheim gehörte, gegenüber. 

Und dann kam im Frühjahr 2020 Corona, und alles war anders als jemals zuvor. Die Pandemie setzte einschneidende eigene Akzente. Millionen Menschen auf der Welt wurden infiziert, Hunderttausende ließen ihr Leben. Alle Bereiche des Lebens, so auch der Sport, waren rund um den Globus betroffen.

Um die Bundesligasaison im Handball fortsetzen zu können, gleichzeitig aber Ansteckungsgefahren weitgehend zu minimieren, wurden auch beim BVB akribisch  Sicherheitskonzepte ausgearbeitet, die sowohl für die Spielerinnen als auch für das Publikum galten. Mitte April 2020 dann das Aus für die gesamte Spielzeit. Und für Borussia Dortmund ein Schlag ins Gesicht: Während Kiel bei den Männern zum Deutschen Meister erklärt wurde, entschieden die Verantwortlichen für die Damenliga, an der Spitze der frühere Nationaltorwart “Hexer” Andreas Thiel, dass es hier keinen Meister geben würde. Der BVB war enttäuscht und fühlte sich, wie es Abteilungsleiter Andreas Heiermann in einem Interview ausdrückte, schlicht und ergreifend “diskriminiert!” Denn aus der Sicht der Borussia war die Situation bei den Damen und bei den Herren praktisch identisch. Unter diesen Umständen Kiel den Titel zuzusprechen und dem BVB nicht, war kaum nachvollziehbar. So dachte auch Dortmunds damaliger Oberbürgermeister Ullrich Sierau, in seiner Jugend selber Handballtorwart, und schrieb einen offenen Brief an Thiel mit der Aufforderung, die Entscheidung zu überdenken und aus Gründen sportlicher Fairness den BVB ebenfalls mit dem verdienten Meisterpokal auszuzeichnen. Es half alles nichts. Eine meisterliche Spielzeit der Borussinnen verlief durch eine wenig meisterliche Entscheidung ohne die verdiente Krönung. Ein kleines Trostpflästerchen: Tabellenführer Borussia Dortmund wurde für die Champions League Saison 2020/21 nominiert.

Die Bundesligasaison 2020/21 ist als “Gesamtkunstwerk” eine einzige “Ode an die Freude!” Es wurde eine Spielzeit wie eine Beethoven-Symphonie. Und der Dirigent hieß André Fuhr, der aus seinem “Orchester” schönste Melodien hervorzauberte. Es begann mit einem souveränen Auftaktsieg gegen Buchholz-Rosengarten. Und dann folgten Siege, Siege, Siege. Kein einziges Spiel wurde verloren, kein einziges Pünktchen abgegeben. Derartiges hat die Handballgeschichte noch nicht erlebt. Als Ende Oktober 2020 selbst Bietigheim auswärts mit 28:22 geschlagen wurde, zeichnete sich ein grandioser Durchmarsch ab, der dann auch Realität wurde!

Der Kombinationssicherheit, den Tempo-Gegenstößen, der Geschwindigkeit des Spiels generell, dem trickreichen Anspiel am Kreis, dem konsequenten Abwehrverhalten und den gefährlichen Würfen aus der zweiten Reihe hatten die Gegnerinnen in aller Regel kaum etwas entgegenzusetzen.

Eine besondere Klippe außerhalb des Spielfeldes war allerdings noch zu überwinden. So musste das Team nach dem gewonnenen Rückspiel gegen Bietigheim in Dortmund bis Anfang Mai in Corona-Quarantäne gehen, was insgesamt zu einer einmonatigen Spiel - und Trainingspause führte. Das konnte durchaus zu Problemen in der mannschaftlichen Geschlossenheit und im Spielfluss führen. Aber nicht beim BVB!

Die Damen zeigten sich unbeeindruckt und siegten am 5. Mai in der Halle Wellinghofen gegen den Thüringer HC mit 39:29. Drei Tage später, am 8. Mai 2021, kam dann der bislang größte Tag in der Geschichte des Dortmunder Handballsports: Die Borussinnen traten in Halle gegen die Union Halle-Neustadt an und gewannen souverän mit 39:22. Zum ersten Mal in der Club-Historie wurde damit vom BVB im Handball  eine Deutsche Meisterschaft gewonnen. Und was für eine! 

Man hatte jetzt bei drei noch ausstehenden Spielen sieben Punkte Vorsprung vor Bietigheim und war bis zum Saisonende nicht mehr einzuholen. 

Die frischgebackenen Meisterinnen sorgten unmittelbar nach dem Schlusspfiff mit Jubelarien, Freudentänzen und Polonaisen auch für eine meisterlich-ausgelassene Stimmung in der “Halle zu Halle” und selbst die obligatorische Sektdusche durfte nicht fehlen. Andreas Heiermann und André Fuhr war in den anschließenden Interviews die Freude über das Erreichte ebenso wie ihre Erleichterung sichtlich anzumerken. Auf der Bus-Rückreise nach Dortmund ging die Siegesfeier munter weiter, und als gegen drei Uhr in der Früh der Borsigplatz erreicht und in klassischer Manier umrundet wurde, war ein weiterer Höhepunkt gekommen. 

Das folgende Auswärtsspiel gegen Bad Wildungen verlief in der ersten Halbzeit aus der Sicht des BVB ausgesprochen zäh. Die Gastgeberinnen hingegen freuten sich über ein Spiel fast auf Augenhöhe. In den zweiten 30 Minuten allerdings hatten die “Vispers” nichts mehr entgegenzusetzen und unterlagen mit sieben Toren Unterschied (30:37).

Als Alina Grijseels am Samstag, dem 22. Mai 2021, 19.24 Uhr, kurz nach der letzten Heimpartie gegen die Neckarsulmer Sport-Union aus den Händen von Andreas Thiel, dem Chef der Bundesliga der Frauen, den Meisterpokal entgegennahm, war sie im wahrsten Sinne des Wortes „völlig losgelöst!“ Ihr eleganter Freudensprung mit dem Pokal hoch über dem Kopf war eine abrundende Spitzenleistung an diesem Tag. 

Zuvor hatte ihr Team die Damen aus Neckarsulm mit 42:24 bezwungen und einmal mehr seine außergewöhnliche Klasse dokumentiert. 

Doch jetzt stand der Meisterpokal im Blickpunkt. Alle Spielerinnen ließen sich damit „für die Ewigkeit“ ablichten und auch Präsident Dr. Reinhard Rauball und Abteilungsleiter Andreas Heiermann reckten das „Objekt der Begierde“ voller Freude in die Höhe! Die Titelträgerinnen hatten sich mit Krönchen geschmückt und streiften gern das Shirt mit der Aufschrift „Deutscher Meister 2021“ über. Diese herrliche Aussage fand sich auch auf überdimensionalen Bannern und Schrifttafeln in der Halle Wellinghofen wieder. Dr. Reinhard Rauball sprach sogar mit Blick auf den DFB-Pokalsieg und die errungene Handball-Meisterschaft von der erfolgreichsten Woche in der Geschichte des BVB!!

Anschließend wurden die acht Spielerinnen, die den BVB zur nächsten Spielzeit verlassen werden, mit Blumen und Dankesworten verabschiedet. Den quantitativen und qualitativen Aderlass zu kompensieren, wird keine leichte Aufgabe sein. 

Jetzt lag nur eine eine einzige Aufgabe vor den Borussinnen: die Nachholpartie am Dienstag, dem 25. Mai 2021, gegen Blomberg/Lippe, den aktuellen Tabellendritten.

In Blomberg hatte André Fuhr vor Jahren seine eindrucksvolle Karriere als Trainer begonnen. In den Reihen der Gastgeberinnen befand sich mit Nele Franz die „Bundesliga-Spielerin der Saison 2020/21.“ 

Der BVB ging das Spiel konzentriert an, Blomberg hielt dagegen. Man merkte allerdings, dass es das erklärte Ziel der Schwarz-Gelben war, auch dieses Match zu gewinnen und damit die Spielzeit ohne Gegenpunkte abzuschließen. Auf dem Wege zu dem letztlich ungefährdeten 29:38 zugunsten des Gastes erzielte Manschaftskapitänin Alina Grijseels mit ihrem Siebenmeter zum 15:9 das 1.000ste Saisontor ihres Teams. 

Es war geschafft! Borussia Dortmund hatte nicht nur die Deutsche Meisterschaft gewonnen, sondern dabei auch keine Niederlage kassiert, nicht einmal ein Unentschieden! 30 Siege in Folge (Ein wegen Corona nicht ausgetragenes Spiel wurde regelkonform zugunsten von Schwarz-Gelb gewertet.) 

Null Gegenpunkte in der Saisonabrechnung. Eine Meisterschaft mit über tausend Toren. Diese sportliche Einmaligkeit reiht sich BVB-historisch ein in die große Phalanx der Fußball-Erfolge mit der Deutschen Meisterschaften 1956 und 1957 in identischer Aufstellung, den Siegen im Europapokal 1966 und in der Champions League 1997 sowie dem „Double“ in Meisterschaft und Pokal 2012. 

In der Champions League lief es erwartungsgemäß in der Premierensaison zunächst nicht ganz so rund. Man musste in der Hinrunde Lehrgeld zahlen. Im weiteren Verlauf zeigten die Borussinnen ihre Klasse aber auch auf dem internationalen Parkett, sodass das Achtelfinale erreicht werden konnte. Wegen der Corona-Situation in der Mannschaft des Gegners Metz verzichtete der BVB mit Rücksicht auf die Gesundheit der Spielerinnen auf die beiden Begegnungen im neutralen Nancy in Frankreich und wurde aus dem Wettbewerb genommen.

Ein bitterer Wermutstropfen fiel in das Glas der erzielten Erfolge, als im Frühjahr 2021 Kelly Dulfer, die gemeinsam mit Inger Smits nach Saisonschluss zu Bietigheim wechseln wird, in einer holländischen Zeitung gegen ihren Trainer André Fuhr schoss. Fuhr und der BVB-Handballvorstand gingen betont professionell mit den Turbulenzen um, hielten den Ball flach und ordneten alles dem angestrebten Ziel “Meisterschaft” gekonnt, sprich erfolgreich, unter.

 

Persönlichkeiten der BVB-Handball-Geschichte

Heinrich Schwaben, der Vater des BVB-Handballs

Am 28. Oktober 1955 trug Borussia Dortmund Trauer, wehten alle Vereins-Fahnen rund um den Borsigplatz und an der Roten Erde auf Halbmast. Ehrenpräsident Heinrich Schwaben war überraschend verstorben. Damit hatte eine zentrale Persönlichkeit, die den BVB über Jahrzehnte hinweg gestaltet, ja, geprägt hatte, die Augen für immer geschlossen.

“Unsere Stärke war immer die Geschlossenheit und Einigkeit, mit welcher unsere Mitglieder und Anhänger zusammenstanden. Wohl kein Verein kann diese innere Geschlossenheit aufweisen, wie wir sie haben.“

Mit diesen Worten hatte Schwaben schon 1926, also zu Zeiten der Weimarer Republik, den Familiensinn seines BVB gewürdigt.

Heinrich Schwaben wurde am 9. Januar 1891 am Borsigplatz geboren.

Er stieß 17-jährig als Spieler zum Verein, machte sich als erstklassiger Verteidiger einen Namen über die Grenzen Dortmunds hinaus, war später Geschäftsführer und wurde 1923 für fünf Jahre BVB-Präsident. 

Schwaben ist der Initiator des Ausbaus der „Weißen Wiese“ zum „BORUSSIA-SPORTPLATZ“, gründete zeitgleich 1924 die Box - und Handball - sowie 1926 die Damenabteilung, führte die Fußballer in die damals höchste deutsche Spielklasse und wurde 1928 der erste Retter des Clubs, als er aus eigener Tasche 13.000 Reichsmark Vereinsschulden beglich und dadurch den Gang zum Konkursrichter verhinderte.

Auch nach dem 2. Weltkrieg war er über Jahre hinweg in Spitzenämtern tätig und galt zu recht als die „Graue Eminenz“ im Hintergrund, die immer zur Stelle war, wenn es irgendwo brenzlig wurde.

Heinrich Schwaben war ein Mann der Dortmunder Wirtschaft. Zunächst erfolgreich bei der AEG tätig, wechselte er 1934 zur Union-Brauerei, bei der er als Vertriebsdirektor bis in den Vorstand aufstieg. 

Eine riesige Trauergemeinde, an der Spitze BVB-Präsident Dr. Werner Wilms, nahm am 2. November 1955 von der legendären Borussia-Ikone und dem Vater des BVB-Handballs Abschied. 

Dr. Wilms: „Heinrich Schwaben war ein Mann des Rechts, der Gerechtigkeit, des Ausgleichs. Es ist besonders ehrend für ihn, dass er sich durch gelegentliche Enttäuschungen nicht beirren ließ und weiter zu seinen Borussen in guten und noch mehr in schlechten Tagen hielt. Im Vordergrund seines Lebens stand die Fürsorge für seinen BVB.“

 

Karl Hagedorn, Borussias erster Damentrainer

Karl Hagedorn, eben aus der Schule entlassen, trat dem BVB 1912 bei, dem auch schon sein Bruder Otto angehörte. Karl war ein vielseitiger Sportler und im Fußball, in der Leichtathletik und im Handball aktiv. Nach dem 1. Weltkrieg brillierte er als Kicker auf verschiedenen Positionen in der 1. Mannschaft. Ganz groß kam Hagedorn heraus, als er gemeinsam mit Bruder Otto ein Verteidigerpaar bildete, das in ganz Westdeutschland Rang und Namen hatte.
Hagedorn gehörte mit zu den Spielern, die 1926 den Aufstieg des BVB in die Ruhrbezirksklasse und damit in die damals höchste deutsche Fußball-Liga schafften.

Eine schwere Knieverletzung, die er sich im Spiel gegen den Sportverein 08 zugezogen hatte, beendete 1927 seine aktive Zeit. 

Karl Hagedorn blieb dem BVB weiter verbunden. Viele Jahre wirkte er im Hauptvorstand mit und betreute gleichzeitig die Handballer und als fachkundiger Trainer die Damen-Abteilung, in deren Reihen auch seine Frau lange Zeit erfolgreich spielte. Mit seinen vielfältigen Aktivitäten avancierte er zu einem der wichtigsten Pioniere des Handballs, ohne den in der neuen Abteilung so gut wie nichts lief.

Hagedorn war ein Mann, den man nicht zwei Mal fragen musste. Er packte an, wo er gebraucht wurde. Auch bei den BVB-Feiern war er so gut wie unverzichtbar, da er mit Sketchen und Gesangsdarbietungen viel zur Unterhaltung beitrug. 

Im Gegensatz zu seinem Bruder Otto, der in den letzten Tagen des 2. Weltkriegs tragisch ums Leben kam, überlebte Karl Hagedorn die Wirren des Nazi-Regimes und diente dem BVB im Vorstand und später im Ältestenrat bis in die 1960er Jahre hinein.

 

Egon Pentrup, der Grandsigneur

Der BVB-Grande und spätere Präsident Egon Pentrup ließ sich 1926 mit seiner Familie am Borsigplatz nieder und schloss sich, Fußball-begeistert wie er war, dem BVB an. In der vereinsinternen Krise von 1926 – 1929, in der es um unerlaubte finanzielle Zuwendungen an die zusammengekaufte 1. Fußball-Mannschaft ging, wandte sich Pentrup enttäuscht der Handball-Abteilung zu und wurde zu einem ihrer großen Fürsprecher und Förderer sowie über mehrere Jahre ihr Handball-Obmann. 

1933 zum BVB-Präsidenten gewählt, gab er das Amt aber im Jahr darauf aber wieder ab, weil er nicht in die NSDAP eintreten wollte.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde Egon Pentrup zu einem der unvergesslichen Retter des BVB. Borussia sollte seine Identität verlieren und in einem nördlichen Großverein namens „Sportgemeinschaft Borussia von 1898/1909“ aufgehen. 

Unter diesem Namen wurde der neue Verein dann auch für wenige Wochen offiziell bei der Militärregierung geführt. Die „Sportgemeinschaft” entsprang einer Fusion des BVB mit dem „Freien Sportverein 1898” und der Werksportgemeinschaft der Hoesch AG.  

Aber die Borussen kämpften um ihre Existenz und um ihren Namen. Sie führten in den Gesprächen mit den Alliierten ihre drei Widerstandskämpfer gegen Hitler ins Feld und auch, dass der damalige Präsident Egon Pentrup 1933/34  nicht in die NSDAP eingetreten war.  Als „graue Eminenz“ im Hintergrund hatte er aber weiterhin bis 1945 die Vereinsgeschicke mitbestimmt. Diese Argumente überzeugten. Der BVB bekam seinen Namen und damit seine Identität zurück.

Pentrup arbeitete nach 1945 noch mehr als fünfzehn Jahre als Vereins-Präsident und als „Vize“ zum Wohl des BVB. Sein besonderes Augenmerk galt dabei nach wie vor den Belangen der Handball-Abteilung.

 

Fritz Weller: Spitzensportler und Nazi-Gegner

Der Leichtathlet und Handballer Fritz Weller war ein Ausnahmesportler, der darüber hinaus als Nazi-Gegner und Widerstandskämpfer zu einem Aushängeschild des BVB geworden ist. 

Zeitungsnotizen weisen ihn als exzellenten Sprinter, Weitspringer, Stabhochspringer sowie Handballer aus. Der sportlich vielseitig begabte junge Mann war im Arbeitersport (ATUS) als Leichtathlet aktiv; etwa seit 1928 spielte er Handball beim BVB. Über zwei Jahrzehnte war er eine der Säulen der 1. Mannschaft. Wellers Spezialität war der von ihm eingeführte „Schockwurf.“ Der Ball wurde dabei mit beiden Händen gehalten und rückwärts über den Kopf auf das gegnerische Gehäuse geworfen, also „geschockt.“  

Weller gehörte mit zu der legendären Elf des damaligen Handball-Obmanns Egon Pentrup, die 1932 Stadtmeister wurde, aufstieg und die Qualifikation zur Teilnahme an der Ruhrbezirksmeisterschaft schaffte.

Fritz Weller wurde am 11. Juli 1912 in Dortmund geboren. Von den am Borsigplatz wohnenden Großeltern großgezogen, lernte der kleine Fritz schon bald die Sorgen und Nöte der Arbeiterschaft kennen. Er fand seine politische Heimat bei den Sozialdemokraten, die am Borsigplatz sehr aktiv waren und für ihren Partei-Nachwuchs Schulungen und Kurse anboten. 

Seine SPD-Freunde August Braun und Max Zimmermann führten ihn nach Hitlers Machtübernahme 1933 in den aktiven Widerstand ein. Die Nazi-Gegner beschafften sich von Gleichgesinnten Flugblätter, Plakate und Broschüren, die dann in Dortmund an Litfaßsäulen geklebt, ausgelegt und verteilt wurden. 

Durch seine Haltung in der Nazi-Zeit ist Fritz Weller neben Heinrich Czerkus und Franz Hippler, die in ihrem Kampf gegen Hitler sogar ihr Leben ließen, zu einer besonderen Ikone des BVB geworden.

Nach 1945 stellte er sich wieder in den Dienst der Borussia und leitete mehrfach die Handball-Abteilung. 

Aber auch als aktiver Leichtathlet und Handballer trat Weller noch lange in Erscheinung. Seinen letzten und vielleicht größten Triumph als Handballer erlebte er 1955 beim Aufstiegsspiel zur Oberliga Westfalen gegen Sachsenross Hille, als er  - schon im gesegneten Sportleralter von 43 Jahren - praktisch in der Schlussminute den Siegtreffer zum 13:12 erzielte und damit den Aufstieg in die höchste deutsche Spielklasse perfekt machte.

Später war er an der Seite von August Lenz und Aloys Scheffler jahrelang im Ältestenrat tätig.

Willi Bietzek, der Bescheidene

Der 15. Juli 1945 war ein überaus wichtiger Tag für den BVB: Die britische Militärkommandantur und ihr Sportbeauftragter Fritz Kauermann gaben dem BVB seinen Namen zurück und setzten Willi Bietzek als kommissarischen Vorsitzenden und als seinen Stellvertreter Franz Jacobi ein.

Wilhelm „Willi“ Bietzek wurde am 6. Oktober 1910 geboren und stieß 1933 zum Verein. Seine sportliche Sympathie gehörte den Handballern, als deren Obmann er sich über Jahre hinweg mit großem Einsatz engagierte. Als sprichwörtlich wird sein Organisationstalent überliefert, ebenso sein Fleiß, aber auch seine außergewöhnliche Bescheidenheit.

Nach dem Zusammenbruch des Nazi-Regimes und der bedingungslosen Kapitulation der Deutschen Wehrmacht 1945 gehörte er zu jenen Borussen, die von der Stunde Null an bemüht waren, seinen Club wieder auf die Beine zu stellen. Gemeinsam mit Egon Pentrup, Fritz Weller und Franz Jacobi bildete er die Crew der Unterhändler, die für die Eigenständigkeit „ihres“ BVB fochten. Mit Erfolg!

Dass die von Kauermann beratenen Engländer Willi Bietzek zum kommissarischen Vereins-Vorsitzenden bestimmten, ist ein Indiz dafür, dass sich dieser aus der Sicht der Siegermächte nicht durch eine zu große Nähe zu den Nazis zwischen 1933 und 1945 für ein solches Amt disqualifiziert hatte.

In den BVB-Vereinsnachrichten vom Oktober 1960 wird anlässlich seines 50. Geburtstags ausgeführt: „Er stand viele Jahre in vorderster Linie der Männer, die mit Erfolg die Geschicke unseres Vereins leiteten. Keine Arbeit war ihm zu viel, kein Weg war ihm zu weit, wenn es um den Fortschritt des BVB Borussia ging. Seine Zuverlässigkeit, seine offene und kameradschaftliche Art haben ihm in Vereins- und Verbandskreisen großes Ansehen verschafft.“ 

Und er war am 12. Juni 1946 auch bereit, gegen einen so mächtigen Mann wie Fritz Kauermann in der Wahl um den Vorsitz des neugegründeten Kreissportbundes anzutreten. Letztlich gewann Kauermann in geheimer Abstimmung mit 89 gegen 59 Stimmen. 

Die Zeit von Willi Bietzek als kommissarischer BVB-Vorsitzender lief mit der Hauptversammlung am 26. Mai 1946 ab, in der Rudi Lückert zum neuen Präsidenten gewählt wurde. Egon Pentrup und Willi Bietzek wurden seine Stellvertreter. Damit blieben zwei umtriebige „Retter der ersten Stunde“ nach 1945 und langjährige Handball-Funktionäre ihrem BVB  auch weiterhin in wichtigen Vorstandspositionen verbunden.

 

Heinz Reitemeyer, Borussias „Mr. Handball!“

Handball, Handball und immer wieder Handball!

Das war das Lebenselixier des Montageinspektors Heinz Reitemeyer, der gut 50 Jahre seines Lebens mit großem Einsatz und Enthusiasmus der BVB-Handballabteilung gewidmet hat.

Reitemeyer wurde am 26. Juni 1939 in Herne geboren und stammte aus einer Sportlerfamilie. Sein Vater war Mitbegründer des Vereins DJK Elmar Herne. Der kleine Heinz spielte, gerade zehn Jahre alt, in der Schulmannschaft Fußball und Handball; seine sportliche - und lebenslange -  Zuneigung schenkte er später  - zunächst im Club seines Vaters - allerdings dem Handball.

Nach der Heirat mit „seiner“ Marlies zogen die Reitemeyers 1964 nach DO-Mengede, wo Tochter Gabriele das Licht der Welt erblickte. 

Die Initialzündung, von der DJK Elmar-Herne zum BVB zu wechseln, gab es 1967. Reitemeyer traf bei einem Turnier den Borussen Heinz Szebsdat, den er aus Herne kannte und der ihn überzeugte, zur Borussia zu kommen. 

Von der Saison 1967/68 an lief er dann in schwarz-gelb auf; sein erster Coach war Trainerlegende Josef „Jupp“ Fröhlich.  Damals gab es beim BVB zwei Damen- und zwei Herren-Mannschaften. Die Damen spielten in der Landesliga und die Männer in der 1. Kreisklasse. Leider fehlten bei den Männern Jugendmannschaften und damit ein stabiler Unterbau als Basis für eine positive Weiterentwicklung. 

1978 beendete Heinz Reitemeyer seine aktive Zeit, blieb allerdings als „ewiger Handballer“ dem BVB in anderen zentralen Funktionen erhalten. Zunächst übernahm er bis 1987 die Männermannschaft als deren sportlicher Leiter. Nach drei Aufstiegen und einer großen Enttäuschung durch ein Urteil des westdeutschen Verbandsgerichtes (die Männermannschaft wurde in die Kreisliga zurückgestuft, später insgesamt aufgelöst) legte er sein Amt in die Hände von Hans Thurau, seine eigenen Hände allerdings nicht in den viel zitierten Schoß.

Im Gegenteil! 1988 wurde er bei nur zwei Gegenstimmen Handball-Abteilungsleiter, ein Amt, das er mit einer zweijährigen Krankheitsunterbrechung bis 2004 innehatte. 

Reitemeyer: „Ich bin stolz auf meine Abteilung und meine Damen-Mannschaften in den vielen Jahren. Wir haben durch unsere Leistungen und das sympathische Auftreten viel für das Image des BVB getan, in Deutschland und in ganz Europa. Summa summarum trugen unsere Handballerinnen in meiner Zeit als Abteilungsleiter stolze 52 Europacupspiele aus.“

BVB-Ehrenmitgied Heinz Reitemeyer ist Ende Mai 2019 nach längerer Krankheit verstorben. Er ist und bleibt eine Ikone des Vereins.

 

Die Meistertrainer

Josef „Jupp“ Fröhlich, der „leichtathletische Handballer“

Das gesamte sportliche Leben des Josef „Jupp“ Fröhlich war der Leichtathletik und dem Handball gewidmet. Der knapp drei Wochen nach der Gründung des BVB am 10. Februar 1910 - und praktisch als Nachbar von Franz Jacobi -  geborene Fröhlich stieß 1922 zur DJK Unitas, die ebenso wie der BVB aus der Dreifaltigkeitskirche hervorgegangen war, und wurde ein begeisterter Leichtathlet. 

Nachdem 1924 beim BVB die Handball-Abteilung gegründet wurde, entdeckte er diese Disziplin als seine zweite große sportliche Liebe und spielte über Jahrzehnte hinweg in der „Ersten.“

In der „schlechten Zeit“ nach der Weltwirtschaftskrise nahm Fröhlich 1931 als Erwerbsloser die Chance wahr, bei der Stadt Dortmund einen „Lehrgang für Leibesübungen“ zu absolvieren. Mit großem Erfolg, muss man sagen!

„Ich kann Herrn Fröhlich für seine Leistungen nur das beste Zeugnis ausstellen und seine Führung nur als besonders lobenswert und vorbildlich bezeichnen,“ schrieb Lehrgangsleiter Franz, sein Turn- und Sportlehrer.

Es kann nicht verwundern, dass der „Jupp“ in den Fächern „Leichtathletik“ und „Handball“ die Lehrgangs-Noten „sehr gut“ bekam. Damit erlangte er die gleichzeitig die Qualifikation als Trainer für beide Disziplinen.

Jupp Fröhlich blieb seinem BVB auch nach dem 2. Weltkrieg verbunden. Als Fritz Weller 1953 wieder einmal Handball-Abteilungsleiter geworden war, verpflichtete er quasi als erste Amtshandlung seinen langjährigen Spezi Fröhlich als „Chef-Trainer.“ Das war ein erstklassiger Schachzug, denn mit dem neuen Coach ging es leistungsmäßig zügig bergauf. Der unvergessliche Coup des Jupp Fröhlich war und ist der Aufstieg in die Oberliga Westfalen im Jahr 1955, mit dem er unter den BVB-Handballern Kultstatus erlangte. Zwei Jahre später verließ er den Club „temporär,“ um dann aber zu seiner sportlichen Liebe zurückzukehren und die 1. Handball-Mannschaft bis in die späten 1960er Jahre hinein weiter zu betreuen. 

Noch in den 1980er Jahren ging Fröhlich als BVB-Leichtathlet praktisch als „letzter Mohikaner“ – die Abteilung gab es schon lange nicht mehr – in seiner Altersklasse an den Start und siegte z. B.  im Mehrkampf des Hellweg-Märkischen Turngaus. 

Bärbel Puchert, die langjährige Spielerin und Frauenwartin: „Der Jupp hieß nicht nur Fröhlich, sondern war es auch. Er hatte eine sehr positive und optimistische Ausstrahlung!“

 

 

Gustl Wilke, der „Glücksfall!“

„Gustl Wilke war ein absoluter Glücksfall für den BVB!“

Mit diesen markanten und adelnden Worten charakterisierte Borussia Dortmunds „Mr. Handball“ Heinz Reitemeyer 2018 „seinen“ langjährigen Erfolgstrainer, der von 1989 bis 1999 beim BVB eine unvergessliche Ära begründete. Wilke formte gemeinsam mit Reitemeyer ein Team von internationaler Klasse, das im absoluten Topjahr 1997 das Finale im EHF-Cup erreichte und kurz danach in Risa gegen Lützelinden den DHB-Pokal und damit den ersten großen Titel überhaupt für den BVB errang.

Gustl Wilke war nicht nur ein Trainer von außerordentlicher Qualität, sondern auch ein Mann mit großem psychologischem Einfühlungsvermögen. Davon profitierten seine Spielerinnen, denen er stets gentlemanlike gegenüber trat, ganz außerordentlich. 

Er war ein Motivator von hohem Rang und gleichzeitig ein gewiefter Taktiker. Die Kombination seiner menschlichen und fachlichen Tugenden formte ihn zu einem absoluten Spitzencoach von seltenem Rang.

Wilke kam am 24. April 1944 in Hagen zur Welt, wo er sich später beim VfL Eintracht Hagen seine ersten sportlichen Meriten verdiente.

Mit dieser Truppe stieg er 1971 in die Feldhandball-Bundesliga auf, mit ihr stand er in den beiden folgenden Jahren jeweils im Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft. Im Hallenhandball erreichte er mit seinen Jungs die Regionalliga.

Schon mit 18 Jahren trainierte der spätere Sport-Dozent der Ruhr-Universität Bochum die Jugend der Hagener. Es schlossen sich Trainerstationen bei Schwarz-Gelb Hagen, der UTG Witten, dem VfL Eintracht Hagen, dem VfK Iserlohn und dem Hasper SV an.

1989 folgte dann der Schritt zum BVB, bei dem er zum ersten Mal eine Damenmannschaft trainierte.

1991 stiegen die Borussinnen unter seiner Leitung in die zweite, 1993 in die erste Bundesliga auf. 1999 beendete er sein Engagement mit der deutschen Vizemeisterschaft. Von 2008 bis 2011 kehrte er dann noch einmal zurück. 

Daneben gewann er mit den Damen der Uni Bochum die deutsche Hochschulmeisterschaft, trainierte die Studenten-Nationalmannschaft der Frauen und wirkte 1995 als Co-Trainer der deutschen Nationalmannschaft.

Borussias Trainer-Legende Gustl Wilke, zu dem nicht nur sein früherer „Chef“ Heinz Reitemeyer weit über seine Dortmunder Zeit hinaus freundschaftliche Kontakte pflegte, ist Anfang Januar 2013 im Alter von 68 Jahren gestorben.

BVB-Präsident Dr. Reinhard Rauball zu seinem Ableben: „Er war ein großartiger Borusse, der sich auch unter schwierigen Bedingungen hinter seine Borussia gestellt hat!“

 

Thomas Happe: Handballmeister und Meistertrainer

Dortmund hat zahlreiche Handballspieler von internationalem Format hervorgebracht. Die Hue- und die Hattig-Brüder gehören dazu, Hans-Peter Neuhaus oder Heiner Möller. Und natürlich Thomas Happe. Der am 25. März 1958 geborene und knapp 1,90 m große Blondschopf wurde in eine bekannte Sportlerfamilie hineingeboren. Die kürzlich verstorbene Mutter Ursula war vielfache Deutsche Meisterin, Europameisterin und Olympiasiegerin im Schwimmen. 

Sohn Thomas schaute zunächst auch in Richtung Schwimmen, entschied sich dann aber für den Handballsport. Er startete seine Karriere als Abwehrspieler und Linksaußen beim damaligen Bundesligisten OSC Thier Dortmund, zeitweise an der Seite von Peter Kovacs, dem damals wohl besten Spieler der Welt.

Seine größten Erfolge als aktiver Spieler feierte Happe bei TUSEM Essen als dreifacher Deutscher Meister und Europacupsieger der Pokalmeister 1989. In der Deutschen Nationalmannschaft absolvierte er 56 Länderspiele. Sein größter Erfolg im Nationaldress war der Gewinn der olympischen Silbermedaille 1984 in Los Angeles.

Nach Abschluss seiner Spielerkarriere wechselte Happe die Seiten und wurde zunächst Trainer beim TuS Schutterwald und beim VfL Gummersbach. 2002 kam er als Coach der Handball-Damen zum BVB. Hier avancierte er 2003 zum Meistertrainer, als er mit seinen Borussinnen den Challenge Cup der EHF in zwei Finalspielen gegen Baia Mare (Rumänien) gewann.

Thomas Happe ging sehr professionell an seine Aufgaben heran und ergänzte seine Trainingsarbeit mit den Damen mit Elementen aus dem Herren-Handball. Das zeitigte durchaus Erfolge und schlug sich auch im Gewinn des europäischen Pokals nieder. 

In der Bundesliga lief es nicht so rund wie erhofft. Er belegte mit seinem Team zwischen 2002 und 2008 Plätze zwischen 6 und 11, erlebte 2007 den Abstieg in die 2. Liga und den Wiederaufstieg im Jahr danach.

Nach seinem Engagement in Dortmund betreute Thomas Happe die Damen der DJK Trier.

 

André Fuhr, der Ausnahmekönner

„Ich habe noch nie einen Trainer erlebt, der so strukturiert in der Arbeit, so systematisch im Trainingsaufbau, so strategisch in der Spielvorbereitung, so klug in der Einflussnahme während des Spiels und so klar in der Matchanalyse ist wie André Fuhr!“

Mit dieser Lobeshymne charakterisiert Andreas Heiermann, der seit 14 Jahren an der Spitze der BVB-Handball-Abteilung steht und bereits zahlreiche Handballlehrer*innen hat kommen und gehen sehen, den Trainer der überragenden Damen-Meistermannschaft von 2021.

Und weiter: „André Fuhr versteht Handball. Er ist ein Profi im positivsten Sinn, hervorragend in Trainingsmethodik und Spiel-Taktik.

Es ist eine glückliche Fügung, ihn für unsere Borussia gewonnen zu haben.“ 

Der BVB wollte Fuhr schon 2017 verpflichten. Das klappte aber damals noch nicht. „2019, nach mehreren Turbulenzen rund um die Trainerfrage, habe ich den André dann praktisch im Alleingang geholt,“ erinnert sich Handball-Chef Heiermann. „Ich wollte endlich jemanden haben, der für Kontinuität steht und uns sportlich in die Top 3 der Bundesliga bringt!“

Das alles hat hervorragend geklappt, ja, ist übertroffen worden.

André Fuhr wurde am 11. 4. 1971 in Hille geboren. Sein Weg als Trainer führte ihn über den Regionalligisten HSG Stemmer – Friedewalde zur HSG Blomberg-Lippe, die er von 2002 bis 2018 coachte und mit der er 2006 in die Bundesliga aufstieg. Zwei Finalteilnahmen im DHB-Pokal und die mehrfache Qualifikation für europäische Wettbewerbe gehören ebenso zu seiner dortigen Erfolgsbilanz wie die Arbeit mit der weiblichen A-Jugend, die 2008 Deutsche Meister und mehrfach Vizemeister wurde. Bevor Fuhr dann 2019 nach Dortmund kam, war er noch ein Jahr beim TuS Metzingen tätig. Sein exzellentes Händchen für den Handball-Nachwuchs beweist er auch als Trainer der bundesdeutschen Juniorinnen, die er neben seiner Tätigkeit beim BVB betreut. 

Sein absolutes Meisterstück hat André Fuhr aber in Dortmund abgeliefert. In zwei Jahren hat seine Truppe nur eine einzige Bundesligapartie – in der Saison 1919/20 gegen Metzingen - verloren. Und die Spielzeit 2020/21 brachte in der Bundesliga eine bislang nicht gekannte Siegesserie mit der Deutschen Meisterschaft als verdienter Krönung.   

Wie souverän Fuhr über den Dingen steht, bewies er auch und insbesondere, als die holländische Weltklassespielerin Kelly Dulfer in ihrer Heimat ein Interview gab, in dem sie ihren Coach frontal anging. Fuhr verzichtete auf öffentliche Retourkutschen und entspannte gemeinsam mit Andreas Heiermann die Situation ganz im Sinne des angestrebten sportlichen Erfolgs des BVB in dieser Spielzeit.

Auch das war klasse!

 

Der Abteilungsvorstand im Meisterjahr 2021 

Andreas Heiermann, der Architekt des Erfolges

Der erfolgreiche IT-Unternehmer Andreas Heiermann (57) ist seit 2007 Leiter der BVB-Handball-Abteilung. Seine Beziehung zu den schwarz-gelben Handballerinnen währt allerdings schon einige Jährchen länger. 

Sie entstand um die Jahrtausendwende über die Sponsorenaktivitäten von Goeke, dessen Geschäftsführer er war, und später über sein eigenes Unternehmen Green IT. „Seit damals beobachte ich die Szene beim BVB und besuche die Spiele,“ erläutert er. „Zunächst aus beruflichem Interesse als Sponsor, dann aus innerer Freude an diesem faszinierenden Sport.“

Heiermann kommt vom Fußball. Er hat über Jahre beim VfR Sölde und bei Arminia Marten gekickt.

Als ihn BVB-Präsident Dr. Reinhard Rauball 2007 ansprach und ihm eine Funktion im Handball-Abteilungsvorstand anbot, sagte er gern zu. Zunächst war er der „Co-Pilot“ des amtierenden Abteilungsleiters Dr. Markus Huckemann, dann wurde er dessen Nachfolger. Die Zeiten standen damals wirtschaftlich auf Sturm bei den Handballern; die Abteilung bangte sogar um ihre Existenz. Eine finanzielle Konsolidierung musste mit gewichtigen Einschnitten in die unausgewogene Ausgabenstruktur eingeleitet werden. Das erforderte drastische Kürzungen auf allen Gebieten, auch bei den Gehältern. Gleichzeitig mussten neue Einnahmequellen erschlossen werden, beispielsweise durch die Gewinnung weiterer Sponsoren. Nicht leicht war die Entscheidung, sich von Trainer Thomas Happe zu trennen.

Andreas Heiermann weiter: „Gut, dass ich mich im Vorstand in den ersten Jahren auf den erfahrenen Organisationsprofi Walter Maahs stützen konnte, der der Abteilung in allen wichtigen Vereinsfragen hilfreich zur Seite stand. Ich bin ihm ganz persönlich sehr dankbar für seine stets tatkräftige Mitarbeit!“

Gustl Wilke, als Trainer zurückgekommen, brachte seine große Erfahrung ein und unterstützte den neuen Mann an der Abteilungsspitze ebenfalls nach Kräften. 

Nicht lange nach seinem zweiten Engagement beim BVB verstarb er überraschend. Andreas Heiermann: “Sein Tod und das kürzliche Ableben von Andreas Bartels waren die schmerzhaftesten Erfahrungen meiner bisherigen Zeit bei Borussia Dortmund. Der Sport und die harmonische Zusammenarbeit hatten uns menschlich so stark zusammengeführt, dass mich bei Beiden tiefe Trauer erfüllte.“

Nach zwei Ab- und zwei Aufstiegen war 2015 eine Stabilisierung der Leistung auf Bundesliganiveau die erklärte Devise. In Ildiko Barna fand Heiermann eine Trainerin, die dieses Ziel mit ihm teilte. Man ging gemeinsam an den Aufbau einer neuen Mannschaft. Schon 2015 wurden die Final-Four im DHB-Cup in Leipzig erreicht. Ildiko Barna war erfolgreich, stand aber knapp drei Jahre später im Mittelpunkt einer hausinternen Machtprobe mit den Spielerinnen. Nur Heiermann und Club-Präsident Dr. Reinhard Rauball standen zu ihr. Barnas Tätigkeit endete 2017.

Andreas Heiermann: „Nach den Kurzzeit-Trainern Rentsch und Smits folgte dann 2019 André Fuhr, über dessen Verpflichtung ich überaus froh bin. Wir hatten mittlerweile einen absoluten Spitzenkader zusammengestellt, den der André zu einem echten Starensemble formte, das in den letzten beiden Jahren bei nur einer einzigen Bundesliga-Niederlage von Sieg zu Sieg eilte. “

Als nach wie vor schmerzhaft ordnet es Heiermann bis heute ein, dass dem BVB in der wegen Corona abgebrochenen Saison 2019/20 nicht - wie bei den Männern dem THB Kiel - die Deutsche Meisterschaft zugesprochen wurde. Er kann die Gründe   nicht nachvollziehen. Ausdrücklich begrüßt hat er die Initiative des damaligen Oberbürgermeisters Ullrich Sierau, der in einem offenen Brief an Andreas Thiel eindeutig Stellung bezog und sich an die Seite der benachteiligten Borussinnen stellte.

Andreas Heiermann, der Architekt der Deutschen Meisterschaft 2021, freut sich besonders, dass André Fuhr und seine Spielerinnen 2021 mit ihrer unvergleichlichen Leistung nachgewiesen haben, dass sie im Jahr zuvor den Titel ebenfalls verdient gehabt hätten.

Heiermann abschließend: „Die BVB-Handball-Abteilung zu führen ist für mich eine tolle Aufgabe. Ich hätte allerdings nicht vermutet, wieviel Diplomatie und Feingefühl es erfordert, in dem Dreiecksverhältnis Abteilungs-Vorstand – Trainer – Mannschaft zu bestehen und quasi als Pufferzone den Ausgleich im Sinne des Vereins zwischen den manchmal sehr unterschiedlichen Interessen hinzukriegen!

In diesem Zusammenhang danke ich besonders unserem Präsidenten Dr. Reinhard Rauball, der die Arbeit der Abteilung immer gefördert und uns stets den Rücken bei unseren Entscheidungen gestärkt hat. Ohne ihn hätten wir 2021 den großen Erfolg nicht einfahren können.

Mit den letzten beiden Spielzeiten hat der Handball bewiesen, dass der BVB nicht ausschließlich ein renommierter Fußballclub ist. Gerade mit der Meisterschaft 2021 tragen auch wir zum positiven Image des Vereins und der Stadt Dortmund über die Landesgrenzen hinweg bei. Diesen Weg wollen wir fortsetzen. Allerdings brauchen wir dafür die entsprechenden Rahmenbedingungen. Deshalb wünsche ich mir für die Zukunft nachdrücklich, dass Politik und Stadtverwaltung den beabsichtigten und dringend erforderlichen Sporthallenneubau so anlegen, dass wir unter nationalen und internationalen Gesichtspunkten einen angemessenen Standort mit entsprechendem Standard erhalten!“

 

Maria Pfefferkuch, die stolze Borussin

„Ich bin stolz darauf, eine Borussin zu sein!“ Mit diesen Worten umreißt Maria Pfefferkuch, die langjährige Kassenwartin der Handball-Abteilung, ihre ganz persönliche Beziehung zu Borussia Dortmund.

1958 in Oberschlesien geboren, kam ihre Familie 1978 nach Dortmund. Hier wurde schnell bekannt, dass sich eine talentierte Torhüterin in der westfälischen Metropole angesiedelt hatte. Wolfgang Polak, damals Vize-Präsident, sprach sie an und stellte sie Handballtrainer Horst Paschvoss vor, der gerade eine neue Mannschaft aufbaute. Und schwupp, schon stand Maria im Tor des BVB. Dort blieb sie mit kleinen Unterbrechungen bis 1991. Nach Horst Paschvoss wurde Gustl Wilke ihr Trainer. Beiden stellt Maria Pfefferkuch, damals noch Maria Dörr, ein sehr gutes Zeugnis aus: „Sowohl Paschvoss als auch Wilke waren menschlich integer und fachlich ausgezeichnet.“ Trainiert wurde in ihrer aktiven Zeit vier Mal die Woche, zunächst in DO-Eving, dann auch im Berufsschulzentrum Brüggmannblock. In Eving, in der Handball-Vereinsgaststätte „Zur Post,“ fanden vor und nach den Spielen die Mannschaftsbesprechungen statt. Unter Gustl Wilke gab es einen qualitativen Schub in Richtung Leistungssport. Aber die Spielerinnen waren und blieben reine Amateure.

Als ihre größten Erfolg sieht Maria Pfefferkuch die Aufstiege in die Regionalliga 1989 und in die 2. Bundesliga 1991 an. 

Dem BVB-Handball blieb sie auch nach Ende ihrer aktiven Zeit verbunden. So baute sie beispielsweise eine vierte Damenmannschaft auf, trainierte diese und war über Jahre hinweg Mannschafts-Betreuerin der „Dritten“.

Natürlich hat sie in den Jahrzehnten ihrer Vereins-Zugehörigkeit insbesondere die Entwicklung der Torhüterinnen verfolgt.

Als die ganz überragenden Keeperinnen sieht sie Eike Bram aus den 1990er Jahren und Clara Woltering an, die noch bis vor zwei Jahren aktiv war und heute die Torhüterinnen erfolgreich trainiert. „Beides herausragende Könnerinnen und menschlich starke Persönlichkeiten!“ 

Nachdem der damalige Kassenwart Heiner Szebsdat Maria Pfefferkuch gebeten hatte, ihm bei seiner Tätigkeit zu assistieren, wuchs sie nach und nach in dessen Aufgabengebiet hinein und wurde 2005 seine Nachfolgerin. „Die Zeiten in Sachen Finanzen waren nicht immer leicht,“ verweist sie zum Beispiel auf die Krise 2007.  Mittlerweile ist sie seit 16 Jahren Kassenwartin und kümmert sich um die Finanzen sowie die dazu gehörenden organisatorischen Angelegenheiten der Handball-Abteilung. „Das ist viel, viel Arbeit, die aber Spaß macht,“ resümiert sie mit einem Schmunzeln. „Für den BVB lohnt sich für mich jeder Einsatz!“ Sie ist eben stolz, eine Borussin zu sein!!!!

 

Andreas Bartels

Das Osterfest 2021 war für Borussia Dortmund von Trauer überschattet. In der Nacht zum Ostermontag verstarb Andreas Bartels, der stellvertretende Leiter der Handball-Abteilung, an den Folgen einer schweren Erkrankung. BVB-Präsident Dr. Reinhard Rauball und Abteilungschef Andreas Heiermann würdigten den tatkräftigen, sympathischen und stets engagierten Borussen und Geschäftsführer des Sponsors Automobile Ebbinghaus voll Mitgefühl für seine Familie.

Andreas Heiermann: „Wir sind bestürzt über die Nachricht von seinem Tod. Uns wird Andreas Bartels als Mensch und als wichtiges Aushängeschild unserer Abteilung sehr fehlen. Ich habe nicht nur einen äußerst loyalen und immer zuverlässigen Mitstreiter verloren, sondern auch einen guten persönlichen Freund.“

Andreas Bartels war dem BVB-Handball seit Jahren als Geschäftsführer des Autohauses Ebbinghaus und damit als einer der Hauptsponsoren verbunden. Als solcher hatte er sich bereits vor seiner Vorstandstätigkeit über Jahre hinweg engagiert. Der sehr kreative und ideenreiche Wirtschaftsfachmann brachte sich gern zum Wohle der Handballerinnen ein und gab viele wichtige Impulse für die wirtschaftliche und sportliche Weiterentwicklung der Abteilung. In Dortmund und in der Region bestens vernetzt, nutzte er diese Kontakte zu Gunsten des BVB.

Als der langjährige Abteilungs-Vize Jochen Busch 2017 den BVB verließ, präsentierte Heiermann Andreas Bartels als dessen Nachfolger. Heiermann hatte zu Bartels stets ein besonderes Verhältnis, das seine Grundlage in der gemeinsamen beruflichen Zusammenarbeit früherer Jahre fand und von großem Vertrauen gekennzeichnet war

Bartels übernahm in Kooperation mit Heiermann die sportliche Leitung der Abteilung und engagierte sich voller Schwung und mit viel Fingerspitzengefühl vor allem in der Kaderplanung. Die heutige Meistermannschaft der Borussia ist in wichtigen Teilen von ihm geprägt worden. Deshalb ist es besonders tragisch, dass der überzeugte Teamplayer den Triumph 2021, „seine“ Deutsche Meisterschaft, nicht mehr erleben durfte. 2020 war ihm und seiner Borussia der ersehnte Titel durch die Haltung des Verbandes ja verwehrt geblieben.

Andreas Heiermann: „Andreas Bartels wäre aus meiner Sicht der ideale künftige Handball-Abteilungsleiter gewesen. Ich hätte ihn so gern als meinen Nachfolger im Amt gesehen. Sein Tod hinterlässt eine Lücke, die schwer zu schließen sein wird. Wir haben eine großartige „schwarz-gelbe“ Persönlichkeit verloren.“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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